1811: Loris Lenzo – das Gesicht des Weinkellers

Shownotes

Was macht einen guten Wein aus? Wie wird man Sommelier auf internationalem Spitzenniveau? Und wie fühlt es sich an, wenn anonyme Michelin-Tester plötzlich die eigene Arbeit auszeichnen?

Loris Lenzo ist Director of Wine im Einstein St. Gallen und in der Winothek Weinstein. Er verantwortet den strategischen Weineinkauf und die Weinkarten für verschiedene Gastronomiebereiche – darunter das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Einstein Gourmet. Für seine Arbeit erhielt er den Michelin Sommelier Award.

Im Live-Podcast an der HEMA spricht Loris mit Gastgeber Tommaso Manzin von der Appenzeller Druckerei AG über seinen ungewöhnlichen Karriereweg. Angefangen hat alles mit einer Kochlehre, gefolgt von einer Ausbildung im Service. Eine Reise in die Champagne und eine besondere Flasche Champagner weckten seine Begeisterung für Wein.

Heute beschäftigt er sich mit ausgezeichneten Weinkarten, internationalen Weinregionen und einem sorgfältig aufgebauten Weinkeller. Er erklärt, woran Fachleute einen hervorragenden Wein erkennen, weshalb nur ein kleiner Teil aller Weine für die langfristige Lagerung geeignet ist und welche Rolle Food-Pairing, Naturweine und alkoholfreie Getränkebegleitungen spielen.

Doch es geht nicht nur um Wein. Loris erzählt auch von den Erwartungen der Gäste, vom Leistungsdruck in der Spitzengastronomie und davon, wie er als Vater von zwei Kindern Beruf und Familie miteinander vereinbart. Daneben organisiert er eigene Degustationen, begleitet private Anlässe und berät beim Aufbau privater Weinkeller.

Und zum Schluss verrät er, weshalb er trotz rund 200 Flaschen im eigenen Keller zu Hause erstaunlich selten Wein trinkt.

Ein Gespräch über Fachwissen, Neugier, persönliche Leidenschaft und die Freude daran, seinen Beruf wirklich zu leben.

Eine Live-Aufzeichnung an der HEMA in Zusammenarbeit mit der Appenzeller Druckerei AG, dem Gewerbeverein Herisau und der DU-Zone.

Credits

  • Recherche: Tommaso Manzin
  • Vorbereitung: Tommaso Manzin
  • Aufnahme: Stagelight
  • Optimierung: Schwoegi mit Auphonic
  • Schnitt: Schwoegi mit Audacity
  • Grafik: Schwoegi mit Photoshop
  • Publikation: Schwoegi
  • Foto: Schwoegi
  • Original Musik: Smooth city living, https://www.purple-planet.com

Transkript anzeigen

Loris: Wenn man von dem Druck spricht, ist es etwas, das mir Spass macht,

Loris: das mir einen Drive gibt.

Loris: Wenn der Druck ungesund wäre, wäre ich am falschen Ort.

Loris: Und Sicht, ja, ich denke schon, dass es mittlerweile so ist.

Loris: Das ist die Sicht des Weinkellers ein Stück weit, weil mittlerweile schon auch

Loris: sehr viele Weinkeller von mir eingekauft worden sind.

Tommaso: Lois, herzlich willkommen.

Loris: Danke schön.

Tommaso: Du bist ein erfolgreicher junger Mann. Du bist Director of Wine beim Gourmet-Restuarant

Tommaso: Einstein St. Gallen und auch von der Winothek Weinstein. Vielleicht,

Tommaso: was macht man als Director of Wine?

Loris: Was ich mache, ist der strategische Einkauf vom ganzen Haus,

Loris: respektive von der Winothek und vom Hotel Einstein plus die ganzen Weihkarten,

Loris: Schreiben, Sagenbots zusammenstellen.

Loris: Für Bar, Bistro, Kongress und für das Einstein-Gurmet.

Tommaso: Also vielleicht noch kurz, im Einstein hat es ja mehrere Restaurante oder mehrere

Tommaso: Bars. Das wäre das Restaurant ganz oben im obersten Stock, dann die Winothek

Tommaso: und die Brasserie unten im Anbau, was später gemacht wurde.

Loris: Genau, also das Einstein-Gurmet ist im Hauptgebäude, im Hotel,

Loris: direkt zu obersten beim fünften Stock.

Tommaso: Das Gourmet-Restaurant ist ja, ich muss immer schauen, dass es nicht verwechselt,

Tommaso: 2-Stern-Michel und 18-Gault-Millau Punkte. Und du hast selber auch einen Preis bekommen,

Tommaso: den man jetzt anschaut, wie der heisst.

Tommaso: Der Michelin Sommelier Award für die Schweiz. Du bist, glaube ich, 30, 32.

Tommaso: Was macht das mit einem, wenn man so einen prestigeträchtigen Preis,

Tommaso: oder ist es üblich, dass man den so jung überkommt?

Loris: Nein, das ist nicht üblich. ist eine grosse Ehre erstens, wenn man für das Tag

Loris: tägliche, wo man macht, ausgezeichnet wird.

Loris: Also die Tester kommen ja anonym zu dir und kommen zu prüfen, was du machst.

Loris: Und wenn natürlich dann da ausgezeichnet wird, wo man den ganzen Tag so tut,

Loris: dann ist es schon eine grosse Ehre und irgendwo auch ein Zeichen,

Loris: dass man es richtig macht oder dass man es gut macht, auf dem richtigen Weg ist.

Tommaso: Und da hat man so wirklich keine Ahnung, wann die kommen. Das ist nicht wie

Tommaso: der Film, wo man denkt, oh, das könnte ein Tester sein.

Loris: Man hat so Ahnung oder man hat vielleicht das Gefühl, das könnte ein sein.

Loris: Und bei dem sind wir uns sicher gewesen, dass es ein ist, aber ich auch nicht

Loris: gewusst, dass er wegen mir kam.

Tommaso: Und wenn man so einen im Haus hat, gibt man sich da nachher speziell Mühe zu geben?

Tommaso: Oder schaut man, dass alles so abläuft, wie es auch sonst abläuft?

Tommaso: Ist man sich da sicher in seiner Routine und sagt, okay, wir tun jetzt unser

Tommaso: Programm, das wir haben, das zeigen wir jetzt und dann ist das gut so.

Loris: Ja, also grundsätzlich machen wir bewusst nichts anderes, weil man sagt,

Loris: okay, jeder Gast ist irgendwo ein Tester oder weil man versucht,

Loris: jedem Gast alles zu geben.

Loris: Man hat Abläufe, die man so einstudiert hat und dementsprechend versucht man vor allem,

Loris: Genau, die Ruhe mitzunehmen und nicht nervös zu werden.

Tommaso: Ja, beim Einschenken oder so.

Loris: Zum Beispiel.

Tommaso: Wann hat denn deine Leidenschaft angefangen? Für wie? Kann man sagen.

Tommaso: Das muss ja ganz etwas Spezielles sein.

Tommaso: Ich weiß nicht, ob alle in ihren 20ern anfangen, sich mit Rotwein ernsthaft zu beschäftigen.

Loris: Angefangen hat es in der Servicelehre. Also Zusatzlehre, die ich im Service

Loris: gemacht habe. im ersten und zweiten Lehrjahr, wo ich einfach schon Freude hatte

Loris: irgendwo, weil ich das spannend gefunden habe.

Loris: Und dann habe ich auch die Weihkarte vom Betrieb geschrieben oder auch noch

Loris: so ein bisschen modernisiert das Mal.

Loris: Und so richtig die Emotion für Wein ist 2014 in den Champagner,

Loris: wo wir drei Champagnerweigüter besucht haben.

Loris: Und der Berufsschullehrer das Mal hat mir eine Flasche mitgegeben.

Loris: Das war Schaxon eine Flasche Champagner.

Loris: Und das war für mich der Start war eigentlich. Wir sind noch am Schluss der Ausbildung.

Tommaso: Also ich kann man sagen, ist das wirklich von der Ausbildung her gekommen?

Tommaso: Ist das jetzt so nah dis neu entwickelt? Und Champagner dann gerade...

Tommaso: Ist das bis heute etwas, was dich sehr interessiert? Champagner?

Tommaso: Oder ist das dann auch Preis zu sein unter vielen Weisarten im weitesten Sinne,

Tommaso: die dich interessieren?

Loris: Es ist sicher das erste Gebiet gewesen, wo ich mich am intensivsten damit befasst habe am Anfang.

Loris: Und irgendwann sind dann andere Gebiete zugekommen. Das war heute immer noch

Loris: für mich sehr, sehr wichtig oder immer noch sehr spannend von der Region her.

Loris: Ich war jetzt über achtmal, achtmal in der Champagne und es ist immer wieder ein Highlight.

Tommaso: Wie wird man eigentlich das, was du bist? Also wenn jetzt jemand auch will,

Tommaso: so ein Karrieremacher oder ein Sommelier überhaupt werden, was gibt es da für Möglichkeiten?

Loris: Wenn man es gut machen will, ich denke, braucht man ein gutes Verständnis für

Loris: Lebensmittel und für Wein. Das kann man aber auch lernen.

Loris: Bei mir war es ein klassischer Weg, vom Koch zum Restaurantfachmann.

Loris: Und dann in guten Häusern gearbeitet.

Loris: Ich ging immer an Tastings, wenn ich frei hatte oder auf Weingüter.

Loris: Und dann nachgelesen, was ich dort erlebt habe. Also viel Autodidakt.

Loris: Und dann parallel dazu irgendwo eine Ausbildung gemacht.

Tommaso: Also viel, viel, auch in allem eigentlich einfach viel Einsatz,

Tommaso: persönlichen Einsatz, viel persönliches Interesse und auch dann mal irgendwo

Tommaso: angekommen alles, wenn man sonst vielleicht eigentlich Freizeit hätte, oder?

Loris: Ja.

Tommaso: Das ist ja gerade, glaube ich, das Bild, das wir da gesehen haben,

Tommaso: ist aus dem Weinkeller, glaube ich, vom Einstein.

Loris: Ja.

Tommaso: Mit den, was sind das für Awards, die wir da gesehen haben?

Loris: In meiner rechten Hand ein Award für die beste Weihkarte im Bordeaux Bereich.

Loris: Im Raum Deutschland, Österreich, Schweiz und links die beste Weihkarte in Spanien.

Loris: Spanisch Wine List quasi.

Tommaso: B-Drucken. Wann war das?

Loris: Da ja. Ich war im Bordeaux, wo ich die Auszeichnung bekommen habe.

Tommaso: Und das ist im Keller. Wo ist denn eigentlich der Keller vom Einstein?

Tommaso: Ich glaube, da haben wir gerade nochmal ein Foto.

Loris: Bei den Kindern, ja.

Tommaso: Aber das ist der Keller vom Einstein, oder?

Loris: Ja.

Tommaso: Ist der dort im Hotelgebäude?

Loris: Wenn du vor der Resultation stehst, kannst du links hinauflaufen und dann kommt

Loris: wie eine kleine Bibliothek.

Loris: Und dort Da kommst du nur mit einem Batch rein, gehst du da rein und dann ist

Loris: es im Prinzip im Keller, also im Hang drin und der Keller ist 2019 gebaut worden.

Tommaso: Ideal, sehr wahrscheinlich schön kühl im Boden rein, also quasi ja,

Tommaso: also auch ein Tresor-Room eigentlich, oder?

Loris: Ja, ist ein Tresor, aber man hat den gebaut oder wird auch temperiert respektiv befürchtet.

Tommaso: Kann man etwas sagen über den Keller? Was ist Was ist das Spezielle von diesem

Tommaso: Keller? Gibt es eine Ausrichtung, eine Politik dort?

Tommaso: Gibt es vielleicht berühmte Jahrgänge oder Regionen, die besonders darauf spezialisiert

Tommaso: haben? Oder wo man sagen kann, dass wir das in diesem Keller haben?

Loris: Ja, also man hat eine ganz klare Philosophie und eine ganz klare Strategie irgendwo dahinter.

Loris: Frankreich, aufgeteilt in die klassischen Regionen, Burgund Bordeaux oder Bordeaux-Burgund

Loris: Champagne. Plus noch ein paar Sachen von links und rechts.

Loris: Dann Schweiz-Fokus, Italien-Rot-Wieberreich, Weiss-Wieberreich Deutschland.

Tommaso: Also ganz klar auch ein Länder-Fokus, also Frankreich und noch Italien eigentlich.

Loris: Also Schweiz und Umgebung ohne Lichterstein mit Spanien.

Tommaso: Als du diesen Job bekommen hast, war es im Jahr 2025, Director of Wine,

Tommaso: glaube ich. In jungen Jahren, was hat das gemacht mit deinem Selbstverständnis,

Tommaso: mit deinem Privatleben?

Tommaso: Hat das etwas verändert bei dir?

Loris: Privat nicht viel, von der Struktur her schon, weil man ein anderes Verständnis

Loris: entwickelt, weil man Abteilungsübergreifend denkt oder eben mit dem Weinstein,

Loris: der auch zum Ausgehörten mitdenkt.

Loris: Ja, unbedingt. Und weil man sich wirklich in die verschiedenen Outlets hineinversetzen

Loris: muss. Früher habe ich mich um eine Weihkarte gekümmert im Ruhme und habe Gäste gekannt.

Loris: Und jetzt ist es so, dass ich mich um eine Weihkarte kümmere,

Loris: wo ich die Gäste nicht direkt kenne.

Loris: Und dort ist es einfach auch wichtig, dass man mit den Abteilungsleitern redet,

Loris: was wird da gebraucht, ohne die Strategie aussagt.

Tommaso: Bist du das Gesicht des Weihkollens? Also wenn du zu den Gästen gehst und so

Tommaso: weiter, dann wissen sie, ja, das ist jetzt der Verantwortliche für das,

Tommaso: was wir trinken. Ist das etwas Schönes?

Tommaso: Ist das etwas, was auch wieder ein bisschen Druck macht? Wie ist das?

Loris: Ja, und ein guter Druck, ich denke, wenn man von diesem Druck redet,

Loris: ist es etwas, was mir Spass macht, wo mir einen Drive gibt. Ja,

Loris: einfach auch Freude zu machen.

Tommaso: Also ein gesunder Druck, wo man ein bisschen rupt auch.

Loris: Ja, und ich denke, das ist auch eine wichtige Voraussetzung.

Loris: Wenn der Bruch ungesund wäre, wäre ich an falschen Art.

Loris: Und Gesicht, ja, ich denke schon, dass es mittlerweile so ist.

Loris: Das ist das Gesicht von dem Weinkeller bei, oder ein Stück weit,

Loris: weil mittlerweile auch sehr viel Wein, das wir gekauft haben oder im Keller

Loris: sind, von mir eingekauft worden sind.

Tommaso: Du bist ja eigentlich, ganz ursprünglich bist du ja gelernter Koch.

Tommaso: Und du hast auch noch weitere Ausbildungen gemacht im Gastronomiebereich.

Tommaso: Du bist Restaurationsfachmann.

Tommaso: Hast du das Gefühl, das hätte ja geholfen, um die Weihabstimmen in einem Restaurant zu abstimmen?

Loris: Das ist eine gute Frage. Die wird mir immer wieder gestellt,

Loris: auch von Gästen oder auch von Journalisten.

Loris: Ja. Ich kann sie nicht zuend beantworten, weil ich weiss nicht,

Loris: wie es wäre, wenn ich die Kochausbildung nicht gemacht hätte.

Loris: Aber ich denke, dass, weil ich irgendwo ein Mensch bin, der den Grundsatz des

Loris: Produkts verstehen will, ob es jetzt Food ist oder Wein, hilft schon extrem,

Loris: wenn man dann Food-Pairings macht, weil man,

Loris: ein anderes Verständnis hat für ein Produkt, wie vielleicht jemand anders.

Loris: Trotzdem gibt es sehr viele gute Sommeliers, die nicht kocht gelernt haben.

Loris: Ja, eben genau. Aber mir hilft es.

Tommaso: Aber es hilft sicher. Und ich meine, ich frage mich gerade auch mit den Pairings.

Tommaso: Das ist etwas, was ja glaube ich nicht so wahnsinnig lange gibt,

Tommaso: zumindest in der Schweiz.

Tommaso: Dass man quasi wie die Weihauswahl im Mönig, auch im Gourmet-Restand,

Tommaso: es ist ja wie dann schon kuratiert. Das wird einem schon auch empfohlen, oder? Ja, richtig.

Tommaso: Woher kommt das, dass man das so macht?

Loris: Die Weinbegleitung ist entstanden durch die Abfolge vom Menü und dass man dann

Loris: der richtige Glas dazu gesucht hat.

Loris: Die Menüabfolge, das ist so ein Trend, der sich in den letzten zehn Jahren entwickelt

Loris: hat, dass es in diesen Gourmet-Ristoraten quasi noch eine Menge gibt und dann

Loris: eine Weinbegleitung dazu.

Loris: Es hat jetzt gerade einen Artikel gegeben, der NZZ vorgestern,

Loris: wie nachhaltig ist das noch?

Loris: Es ist beim Diskutieren, wie spannend es ist für den Gast, dass man meine Vorgesetzte

Loris: bekommt. Und es kann ich beim Wien auch fragen.

Tommaso: Es gibt auch immer viele neue Strömungen. Musst du dich auch immer aktualisieren,

Tommaso: musst du dich weiterbilden, musst du am Ball bleiben in dieser Szene.

Tommaso: Ich glaube, Trends sind sehr wichtig. Das kann sich schlagartig wieder ändern,

Tommaso: wenn in Zürich wieder oder in Schauenstein etwas Neues ist. Dann hört man es,

Tommaso: dann versucht man es zu integrieren oder eben nicht.

Loris: Ja, also wenn man sicher integriert ist, alkoholfreie Begleitung.

Loris: Das ist etwas, das man anbieten muss. Man kommt nicht darum herum und das ist

Loris: auch eine Herausforderung, die gut ist.

Loris: Und die Weintrends, finde ich, die kommen und gehen irgendwo.

Loris: Ich versuche dort, mein Ding zu machen. Es gibt viele Verkostungen,

Loris: wo viele Sommeliers eingeladen sind.

Loris: Und dass nachher viele Sommeliers mit dem gleichen Wissen zurückgehen und dann

Loris: die Sachen versuchen anzuwenden.

Loris: Ich sehe den Ursprung eher dort, wie jetzt bei einem Schauenstein oder explizit

Loris: bei einem Cheval Blanc. Ja, so.

Loris: Ich denke, das ist mehr so ein Zusammensein und hey, was ist gerade spannend.

Tommaso: Nur aus Gewunder, jetzt gerade etwas. Gibt es heute wirklich Leute,

Tommaso: die so ein Gourmenmenü jetzt im Einstein Open im Gourmenrestaurant wirklich

Tommaso: ohne Wein oder ohne Alkohol zelebrieren?

Loris: Das gibt es, ja.

Tommaso: Das ist aber schon neu, kann man sagen, oder?

Loris: Ja, da gibt es mehr wie früher, wenn ich mich austausche unter Kollegen.

Loris: Es gibt auch einfach Leute, die sagen, ich will den Fokus auf Food haben und dann ist das okay.

Tommaso: Wir haben hier ein sehr schönes Bild.

Tommaso: Es zeigt es oder was ist das? Kannst du etwas sagen zu diesem Bild noch?

Loris: Ja, das ist ein Projekt von mir persönlich, wo ich immer wieder Tastings anbiete.

Loris: Plus, ja, so ein bisschen das Markenzeichen jetzt, gerade auf Social Media auch,

Loris: für einen Wiedererkennungswert.

Loris: Und mit dem Brand arbeite ich erstens privat, aber zweitens auch im Betrieb.

Loris: Das Markenzeichen arbeite, ein Gesicht zu sein, ist relativ nachhaltig für Tastings.

Tommaso: Und kann man das, also das Loris schenkt ein, gibt es das irgendwo?

Tommaso: Oder ist das jetzt für das Foto einfach ein sehr schöner Titel?

Tommaso: Kunder. Da bist du noch etwas am Machen quasi. Aber das ist jetzt so wie ein

Tommaso: eigenes Machen, das du da vielleicht versuchst zu entwickeln.

Loris: Ja, genau.

Tommaso: Okay, spannend. Auf was schaust du, also wir sind da, weiss nicht,

Tommaso: wer da Experten ist, ich bin es nicht, aber auf was schaust du,

Tommaso: wenn ein Wien auf die Karte kommt? Wie gehst du da vor?

Loris: Also der Wien muss immer zum jeweiligen Outlet passen und auch in dieser Strategie

Loris: vom Haus in diese Strategie hineinpassen.

Tommaso: Also Outlet meines Landen, oder?

Loris: Ja, Bistro Bar, Kongress, Weinstein und Einstein-Gurme.

Loris: Und aus den Ländern kommen, wo wir gesagt haben, und dann ist es immer so,

Loris: ein Wein kommt bei mir erst auf die Karte, wenn ich sage, es ist sehr gut.

Loris: Das ist nicht mein Geschmack, den den Wein treffen muss, sondern da gehe ich relativ objektiv vor.

Loris: Wie viel Geruch ist da? Wie viel Geschmack? Und wie lange ist der Abgang?

Loris: Wenn ich das objektiv beurteile, kommt das auf die Karte.

Tommaso: Beim Lager, weil ich in diesem Sinne Laien glaube ich, dass beim Lager sehr

Tommaso: wichtig ist, Tannin ist.

Tommaso: Dass man es länger behalten kann. Das sind, glaube ich, Gerbstoff oder Tannin.

Tommaso: Gibt es noch andere Kriterien? Was sind wichtige Kriterien beim Lagern?

Loris: Man muss immer unterscheiden, will man ein Wein lagern oder will man ihn einfach

Loris: kurz aufbewahren. Wenn man ein Wein langfristig lagern will,

Loris: ist das wichtigste Kriterium. Dann sollte er auch besser werden.

Loris: Es macht keinen Sinn. Das ist sehr wichtig.

Loris: 5% von allen Wein, die produziert werden, sind gemacht zum Lagern. 5% nur.

Loris: Nur auf 5%. Und dann sind es physiologische Eigenschaften Tannin,

Loris: Säure, Zucker, Gerbstoff und wiederum Trubensorten, die dann die Eigenschaften mitbringen.

Loris: Das heisst, ein Riesling Silvana ist aufgrund der physiologischen Eigenschaften

Loris: weniger dazu geeignet zum langfristigen Lagern wie ein Riesling.

Tommaso: Jetzt noch viele schwierige Fragen und ich weiss gerne, ob man diese beantworten kann.

Tommaso: Kann man da etwas dazu sagen, so schnell, was ist ein guter Wie?

Tommaso: Wie zum Beispiel ein guter Rot oder ein guter Weisswein? Oder geht man da sehr

Tommaso: schnell in persönlichen Geschmack, wo man sagen kann, das ist abhängig von der Person?

Loris: Ja, also als privater Sohn muss man dir schmecken. Das ist das Wichtigste, denke ich.

Loris: Ich mache den Wein mit den Nassen beurteilen und wenn ich im Glas schmecke,

Loris: dann sollten vielleicht nicht nur vier Aromen drin vorkommen,

Loris: sondern halt fünf, sechs, sieben, acht, neun und irgendwo merkst du, da passiert viel.

Loris: Und das Gleiche im Gaumen. Der Gaumen sollte ein relativ breites Palett Aromen

Loris: mitbringen, straight sein und eine gute Balance mitbringen.

Loris: Das heisst, wenn die Nase gut ist und beim Gaumen ist der Abgang nachher weg,

Loris: handelt es sich theoretisch nicht um einen hervorragenden Weg,

Loris: sondern um einen guten Weg.

Loris: Und wenn die drei Sachen, also Gaumen, Nase und Abgang übereinstimmen,

Loris: dann ist es ein hervorragender Weg.

Tommaso: Wenn ich so sage, das ist eigentlich jeder, vielleicht müssen wir gleich mal

Tommaso: einen Kurs belegen, weil es ist eben sehr spannend.

Tommaso: Ich kann nur ganz kurz, ich habe immer sehr lustig gefunden,

Tommaso: die Beschreibung von Wein, als ich sehr jung war, ich fand, das ist immer wirklich

Tommaso: einfach lustig zu lesen und ich habe es nie recht ernst genommen,

Tommaso: bis ich dann mal an einer Degustation war in Zürich

Tommaso: und dann hat jemand auch von Teer gesprochen,

Tommaso: Teernoten, Teergeschmack und dann auch noch Gräters Pastillen.

Tommaso: Und dann habe ich gefunden, ja, also jetzt können wir aufhören.

Tommaso: Und dann ist es aber genau so gewesen. Es ist genau so gewesen und seitdem,

Tommaso: muss ich sagen, dass sehr ernst etwas noch aus Gewunder, was mich früher immer

Tommaso: gesagt hat, wie Rosé, das sind Kopfwehwehen.

Tommaso: Ist das nur eine persönliche Wahrnehmung von mir? Oder ist das stark Covid,

Tommaso: dass man auch Rosés wirklich hochqualitativ beurteilt und auch gesagt hat, da gibt es super Wein?

Loris: Es gibt auch in diesem Bereich extrem gute Wein. Passt mich auf der Karte.

Loris: Das kommt ein bisschen davon.

Tommaso: Ich habe immer das Gefühl, das ist so gemischt.

Loris: Ja, es gibt eben, das ist dann genau die Qualität. Wenn ein bisschen mehr Zucker

Loris: reinwandert, ist das genau ein Punkt, wo man untersucht hat, dass es den Kopf gibt.

Loris: Der Magen kann ja nicht beurteilen, oder den Körper, wie hoch die Qualität des

Loris: Wein ist und darum habe ich keinen Kopf.

Loris: Und ich glaube, es ist viel der Mensch selber, plus dann halt,

Loris: wenn ich einen Jumbi trinke mit viel Zucker, dann habe ich die Chance höher,

Loris: dass ich nach einem Kopf habe, denn wenn ich einen Jumbi trinke mit weniger Zucker.

Tommaso: Noch die letzte anekdotische Evidenz, die ich habe, vor zehn Jahren war etwas sehr in Mode.

Tommaso: Man ist fast nicht dabei vorbeikommen, in Zürich zum Beispiel.

Tommaso: Naturwein, ist das immer noch so? Ist das ein Hype gewesen oder ist das geblieben?

Loris: Gibt es immer noch. Man sagt immer ein bisschen anders.

Loris: Man sagt heute eher Low Intervention, weil man im Weinkeller sehr,

Loris: sehr wenig Einfluss nimmt.

Loris: Das heißt, man schweifelt nicht oder den Wein machen lässt.

Loris: Gibt es immer noch, aber die Bewegung ist ein bisschen zurückgegangen.

Loris: Man ist wieder mit mehr Schwivel unterwegs.

Tommaso: Okay. Wir kommen langsam zum Abschluss von den wirklich spannenden Gesprächen.

Tommaso: Du bist ja auch Vater von zwei Kindern. Wir haben es schon gehört,

Tommaso: mit dem neuen Job, mit dieser Verantwortung, wie gehst du mit dieser Arbeitsintensität

Tommaso: um, wo ich sowieso weiss, die Gastronomie ist sehr fordernd.

Tommaso: Ich nehme jetzt auch an, du musst auch mal relativ gut gelohnt sein,

Tommaso: wenn du mit den Gästen zusammen bist. Du kannst da nicht irgendwie einen Schei

Tommaso: machen und so. Wenn man in Deutsch sagt, dann bist du wahrscheinlich am Abend

Tommaso: relativ häufig fort. Wie machst du das?

Loris: Eine gute Frau, die viel Nerven hat. Offiziell haben wir drei Ebenen offen, aber ich bin schon...

Loris: Ich habe immer das Gefühl, ich bin drei Ebenen in der Woche weg,

Loris: aber es ist eigentlich dann schon mehr.

Loris: Und irgendwo einen Balance finden von dem allem. Wenn ich frei bin,

Loris: schaue ich, dass ich mit den Kindern bin.

Loris: Und da gibt mir einen sehr guten Ausgleich. Und wie gesagt, zum Anfang zurück, das mit dem Druck.

Loris: Ich denke, wenn ich jetzt sehr viel Druck verspüren würde, würde ich zu Hause

Loris: nehmen. Und dann wäre es für mich nicht mehr miteinander kompatibel.

Loris: Dann würde ich sagen, dann muss ich es lassen. Aber ich komme nach Hause und

Loris: stehe auf, bin gut drauf und dann geht das.

Tommaso: Also kann man sagen, wenn der Beruf einem gefällt, wenn das berufig ist,

Tommaso: dann ist es auch etwas, was man nicht nur als Druck wahrnimmt.

Tommaso: Wir haben uns ja mal noch gehört vor dem Gespräch. Da hast du mir gesagt,

Tommaso: du machst auch Gästebetreuung privat.

Tommaso: Und ja auch dort wie ist das mit den Grenzen vom privaten Loris,

Tommaso: vom beruflichen Loris wie kannst du das so gestalten dass es noch stimmt für

Tommaso: dich, dass die Grenzen lösen sind.

Tommaso: Wir haben ja da auch noch ein Bild das dich zeigt in einem Weingut ich glaube

Tommaso: das ist im Bordeaux Ja. Wie tust du das bewältigen?

Loris: Ich tue es wie nicht bewusst trennen oder bewusst nicht trennen,

Loris: weil es wie ein Stück weit berufig ist und wie ich das auch mit den Gästen mache,

Loris: die wo die Fragen dann, ja, Loris, hast du Lust oder Zeit?

Loris: Ich mache eine Runde, kannst du irgendwie ausschenken und dann mache ich dann Zeit dazu.

Loris: Aber das ist ja eine extreme Verschmelzung. Ich meine, dann gehe ich in den

Loris: Privatbereich vom Gast und er kennt mich dann privat. Und es gibt auch nicht

Loris: ein Privat oder ein Berufliches, sondern es gibt einfach den Loris.

Loris: Und das ist irgendwo auch meine Authentizität, denke ich.

Tommaso: Ich glaube, es ist auch schwierig, das zu machen. Aber ich glaube,

Tommaso: dann weiss man auch, man macht das Richtige. wenn man das Gefühl hat,

Tommaso: dass man sich nicht verstellen muss.

Tommaso: Jetzt eben noch zu dem Punkt als letztes. Es gibt ja Kunstliebhaber,

Tommaso: die sich von jemandem eine Kunstsammlung zusammenstellen lassen oder das Haus

Tommaso: einrichten von einem Experten.

Tommaso: Du tust in diesem Fall auch für private Weinkeller aufbauen?

Loris: Ja, das sind meistens Personen, die schon einen Weinkeller haben oder die sich

Loris: vorstellen, einen zu bauen. Und dann geht es darum, eigentlich wie bei mir im

Loris: Arbeiten. Bei einem ist das Ziel, was abgedeckt sein soll.

Loris: Und bei den privaten Weinkeller ist es mehr zu erfassen.

Loris: Inventur machen, strategisch Rat geben, was könnte man noch einkaufen,

Loris: um den Wichel interessanter zu machen.

Tommaso: Und die lernt dich meistens über das Restaurant kennen. Ja.

Tommaso: Du bist auch privates Sommelier. Willst du da private Anlässen und willst du

Tommaso: alle das machen, die du auch im Einstellungsmachst? Oder wie musst du dir das vorstellen?

Loris: Ja, einfach im kleineren Rahmen. Auf Anfrage, wie ich es vorhin gesagt habe,

Loris: Luri schenkt ein, wo ich irgendwie Tastings zusammenstelle und dann haben die

Loris: Leute Interesse und kommen.

Tommaso: Abschlussfrage, ich weiss gerne nicht, Das ist eine überflüssige Frage,

Tommaso: aber hast du selber auch einen Weinkeller? Wie anspruchsvoll und ambitioniert

Tommaso: bist du dort bei deinem eigenen Weinkeller?

Loris: Im Vergleich zum Betrieb ist es sehr bescheiden. 200 Flaschen und die Angänge

Loris: der Kinder oder so eingekauft.

Loris: Jetzt zügeln wir dann von St. Gallen in den Speicher und dann wird es vielleicht

Loris: noch ein bisschen mehr Wein gekauft.

Tommaso: Also ein bisschen bescheiden, aber es ist nicht so, dass man sagt,

Tommaso: Ich habe den ganzen Tag mit Weizen zu Hause. Ich habe es nicht mehr gesehen, sondern auch da.

Loris: Mohl, eigentlich. Nein, ich trinke es zu Hause fast gar kein Wein.

Loris: Wirklich, wenn ich nicht mehr arbeiten bin, dann tue ich nicht,

Loris: aber dann trinke ich eigentlich auch nicht. Das ist vielleicht mal Samstag oder so.

Loris: Sonntag, Montag, Dienstag, wenn ich frei habe oder unterwegs bin, bin ich wenig.

Loris: Und die 200 Flaschen sind meistens Wein, die man lagern kann, aufhalten.

Tommaso: Spannend, vielen Dank, Loris. Da ist sie. Vielen Dank für das Interesse.

Loris: Vielen Dank. Danke dir.

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