1810: Der Säntismord – True Crime vor unserer Haustür
Shownotes
Der Säntis im Winter 1922. Eine Seilbahn gibt es noch nicht. Auf 2502 Metern Höhe leben Heiri und Lena Haas praktisch abgeschnitten von der Aussenwelt. Heiri arbeitet als Wetterwart. Lebensmittel, Kohle, Medikamente und Post müssen von Säntisträgern zu Fuss auf den Berg gebracht werden.
Dann taucht im Februar ein unerwarteter Gast auf: Gregor, ein begeisterter Bergsteiger und Skifahrer, der Heiri kennt. Er bleibt mehrere Tage auf dem Säntis. Am 21. Februar senden Heiri und Lena zum letzten Mal ihre Wetterdaten ins Tal.
Danach herrscht Stille.
True-Crime-Podcasterin Sheryn Locher erzählt vor rund 120 Schülerinnen und Schülern live an der HEMA die Geschichte des Säntismords. Sie nimmt das junge Publikum mit in die damalige Welt auf dem Säntis und rekonstruiert die Ereignisse rund um Heiri und Lena, den rätselhaften Gast, die Tat und die anschliessende Fahndung.
Dabei stehen nicht nur Sheryn und Moderator Dario auf der Bühne. Auch Schülerinnen werden Teil der Geschichte und helfen dabei, die Wetterstation und die Familie Haas vorzustellen.
Aus historischen Ereignissen wird so eine Geschichte, die plötzlich erstaunlich nahe kommt. Denn der Säntismord geschah nicht irgendwo weit weg. Der Tatort liegt nur rund 15 Kilometer von der HEMA entfernt.
Eine besondere Live-Folge über einen der bekanntesten Kriminalfälle der Ostschweiz – erzählt dort, wo die Geschichte bis heute Teil der Region ist.
Insta Sheryn Locher Insta Sheryn - Podcast Lebenslänglich? Podcasts HEMA
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Fotos im Landesarchiv AI Fotos auf Photobibliothek
Buch zum Säntismord - Achilles Weishaupt
Transkript anzeigen
Intro: Lebenslänglich, der Schweizer True Crime Podcast mit wahren Kriminalfällen aus der ganzen Schweiz.
Dario: Hallo und herzlich willkommen zum heutigen Podcast mit dem Gast, der Sheryn Locher.
Dario: Und ich werde ihr jetzt zum Anfang noch schnell 1-2 Fragen stellen zu Ihr persönlich stellen.
Dario: Und danach wird sie uns eine sehr spannende Geschichte erzählen,
Dario: die nur knapp 15 Kilometer von hier passiert ist.
Dario: Nämlich den Säntismord. Hoi, Sheryn.
Sheryn: Hoi, Dario.
Dario: Du hast ja deinen Podcast lebenslänglich? und du machst den professionell,
Dario: also hauptberuflich. Kann man davon gut leben oder ist das schon sehr schwierig?
Sheryn: In der Schweiz ist es so, weil wir ja Schweizerdeutsch reden und wir die Einzigen
Sheryn: auf der Welt sind, welche Schweizerdeutsch reden, dass es ziemlich schwierig ist,
Sheryn: mit einem Podcast, welcher auch auf Schweizerdeutsch ist, um überleben zu können.
Sheryn: Ich studiere aber noch nebenbei und bin jetzt mein Podcast am aufbauen und nach
Sheryn: dem Studium kann ich davon leben, vielleicht habe ich dann auch noch einen anderen
Sheryn: Zweig, wo ich auch noch davon lebe, also wie so zwei Sachen.
Dario: Die Schweiz ist das einzige Land, welche Schweizerdeutsch spricht und es hat ja
Dario: vergleichsweise recht wenige Einwohner.
Dario: Wenn du jetzt in der Theorie Hochdeutsch reden würdest, dann könntest du
Dario: viel mehr Menschen erreichen. Was motiviert dich trotzdem dazu,
Dario: Schweizerdeutsch zu sprechen?
Sheryn: Ich habe das Gefühl, Schweizerdeutsch ist für alle, die in der Schweiz wohnen,
Sheryn: viel angenehmer und authentischer.
Sheryn: Und auch für mich selber, ich rede halt besser oder lieber Schweizerdeutsch,
Sheryn: weil ich halt meine ganze Kindheit lang Schweizerdeutsch geredet habe und Hochdeutsch
Sheryn: kann ich natürlich auch mittlerweile sehr gut, aber,
Sheryn: ich fühle mich einfach wohler und habe auch das Gefühl, welche Schweizer Kriminalfälle
Sheryn: erzählen, interessiert es auch mehr die Leute, die in der Schweiz wohnen und
Sheryn: nicht unbedingt die, die vielleicht in Deutschland wohnen.
Dario: Ich habe mir tatsächlich auch schon mal ein, zwei True Crime Podcasts angehört
Dario: und ich finde es auch viel spannender, wenn die regional sind und eben mit Schweizerdeutsch
Dario: fühle ich mich dann sehr viel verbundener.
Dario: Und danke für deine Antworten. Und jetzt freuen wir uns auf den Live-Podcast
Dario: von der Sheryn Locher über den Säntismord.
Sheryn: Als erstes habe ich gerade mal eine Frage an euch. Ist jemand von euch schon
Sheryn: mal auf dem Säntis gewesen?
Sheryn: Könnt ihr aufstrecken? Schon mega viel.
Sheryn: Und jetzt habe ich noch eine zweite Frage. Sind ihr schon mal auf dem Säntis
Sheryn: hochgelaufen? Auch ein paar.
Sheryn: Oha. Der Rest ist folglich mit der Bahn gefahren, oder?
Sheryn: Jetzt stellt euch mal vor, ihr wohnet und arbeitet auf dem Säntis oben.
Sheryn: Das einzige Problem, es gibt noch keine Säntisbahn. Das heisst,
Sheryn: ihr müsstet jeden Tag oder jede Woche hochlaufen und wieder runterlaufen und
Sheryn: im Sommer wäre das natürlich nicht so ein Problem, oder?
Sheryn: Also schon streng, aber es geht.
Sheryn: Aber im Winter ist auf dem Säntis ganz viel Schnee und Eis und dann wird das
Sheryn: sehr gefährlich und dann geht es zum Teil auch nicht, dass man dort hoch und runterkommt.
Sheryn: Und wenn ihr jetzt auf dem Säntis wohnen und arbeiten würdet,
Sheryn: wäre das im Sommer möglich und im Winter nicht.
Sheryn: Ich erzähle euch jetzt die Geschichte des Sentysmart. Bevor wir aber anfangen, falls irgendjemand da.
Sheryn: Angst hat oder einem nicht mehr wohl ist, weil es ja um einen Mord geht,
Sheryn: dann darf ihr natürlich auch euren Lehrer sagen und dann rausgehen.
Sheryn: Es wird aber nicht so schlimm. Wir
Sheryn: gehen jetzt ganz weit zurück in die Geschichte, nämlich etwa 100 Jahre.
Sheryn: Vielleicht habt ihr schon mal etwas vom ersten oder zweiten Weltkrieg gehört.
Sheryn: Die Geschichte spielt genau zwischen diesen zwei Weltkriegen.
Sheryn: Das ist ja schon mega lange her. Nämlich 1922.
Sheryn: Auf dem Säntis gibt es dort mal eine Wetterstation. Weil die Lage vom Berg ist
Sheryn: mega gut, um das Wetter zu beobachten.
Sheryn: Und wie die Wetterstation aussieht,
Sheryn: beschreibt uns Layla. Ich habe nämlich zwei Helferinnen. Du darfst hochkommen.
Sheryn: Du darfst anfangen. Auf dem Bildschirm sehen wir nachher das Wetterhaus.
Layla: Es ist so wie eine Pyramide gebaut worden. Und es hatte Windräder auf dem Dach.
Layla: Damit man die Windgeschwindigkeit sehen kann und es hatte auch Blitzableiter
Layla: auf dem Dach. Es ist ja der höchste Punkt, damit nicht der Blitz einflängt.
Sheryn: Genau, wir können es jetzt gleich noch selber anschauen. So sieht es aus.
Sheryn: Und es hat noch drei Stöcke, dieses Häuschen. Und es ist verbunden mit der Pyramide,
Sheryn: mit dem Häuschen, welches du beschrieben hast.
Sheryn: Genau. Ja, das war es von Layla. Danke schön.
Sheryn: Auf dieser Wetterstation muss dann auch jemand arbeiten. Darum habe ich euch
Sheryn: vorhin gesagt, stellt euch mal vor, ihr arbeitet auf dem Säntis oben.
Sheryn: Die Person muss dann jeden Tag z.B. Temperaturen messen in diesem kleinen Häuschen
Sheryn: und aufschreiben, wie weit man sieht, also ob es Nebel hat oder ob es eine schöne Sicht ist.
Sheryn: Und dann muss man aufschreiben, ob es regnet, schneit oder schönes Wetter ist
Sheryn: oder in welche Richtung der Wind blaset usw.
Sheryn: Die Daten muss dann den Wetterwart über eine Telefonleitung auf Zürich schicken.
Sheryn: Also es ist so ähnlich wie Telefonleitung.
Sheryn: Nämlich heisst es Telegrafenleitung und dort konnte man früher noch anstatt
Sheryn: miteinander zu reden, so Hi, Hallo, sondern konnte man einfach Texte einander
Sheryn: schicken, so Buchstaben.
Sheryn: Und dann konnte man auch miteinander reden.
Sheryn: Wie eigentlich über das Handy heute mittlerweile, wo man ja auch Textnachrichten
Sheryn: schickt. Aber damals war es noch ein bisschen komplizierter.
Sheryn: Und wenn es eben noch keine Säntisbahn gab, muss auch alles zu Fuss auf den Berg getragen werden.
Sheryn: Und genau da kommen sogenannte Säntisträger ins Spiel. Die sehen dann so aus.
Sheryn: Diese sind sehr wichtig, weil sie praktisch alles auf die Säntis hochbringen,
Sheryn: was zum Leben und Arbeiten notwendig ist.
Sheryn: Also zum Beispiel Essen, Medikamente oder auch Kleider und Kohle zum Heizen,
Sheryn: wenn es kalt ist im Winter und so weiter. Oder auch zum Beispiel die Post,
Sheryn: wenn irgendein Brief kommt.
Sheryn: Im Sommer geht die Wanderung von diesen Säntisträgern mit diesen grossen Körben
Sheryn: auf dem Rücken etwa 4-5 Stunden.
Sheryn: Und im Winter geht es natürlich viel länger mit dem Schnee.
Sheryn: Dann wird es auch mal richtig gefährlich. Die Säntisträger müssen den Berg nämlich
Sheryn: sehr gut kennen und trotzdem kommen einzelne von ihnen leider nie mehr
Sheryn: zurück, weil sie abstürzen oder von einer Lawine überrollt werden oder mitgerissen werden.
Sheryn: Und darum ist der Job auch sehr gefährlich.
Sheryn: Sie können auch zum Beispiel die Telegrafenleitung reparieren, für die ja vom Säntis
Sheryn: oben runter wie ein Kabel gezogen wird, das man eben einen Textnachrichten schicken kann.
Sheryn: Und dieser Kabel geht manchmal kaputt durchs Wetter, wenn irgendein Sturm kommt.
Sheryn: Und dann reparieren sie diese auch wieder.
Sheryn: Und ohne die Säntisträger würde die Wetterstation gar nicht funktionieren.
Sheryn: Und genau in dieser isolierten Welt auf dem Säntis oben, wo es ja ziemlich einsam
Sheryn: ist, weil man dort ganz allein ist, leben 1922 Heiri und Lena Haas.
Sheryn: Die beiden haben zwei Kinder und die Familie beschreibt uns jetzt gerade die
Sheryn: Maria. Maria, du hast auch auf die Bühne gekommen.
Sheryn: Wie sieht denn die Familie genau aus?
Maria: Die beiden Eltern sind Heiri und Lena. Die Familie besteht aus vier Personen,
Maria: Heiri, Lena und ihre beiden Töchtern.
Maria: Die Familie wohnte 2502 Metern über dem Meer auf dem Säntis.
Maria: Die Frau Lena hatte ein altmodisches weisses Kleid an und altmodische schwarze Schuhe.
Maria: Der Mann hatte ein weisses Hemd an, eine schwarze Jacke, eine schwarze Hose und
Maria: schwarze altmodische Schuhe an.
Maria: Die beiden Töchter haben beide ein schwarzes Kleid an. Sie haben beide dieselbe
Maria: Frisur und die gleiche schwarze Schuhe.
Sheryn: Und jetzt können wir das Bild alle gleich auch noch selber anschauen.
Sheryn: Und danke dir vielmals Maria für deinen Beitrag.
Sheryn: Wie Maria es schon beschrieben hat, Heiri und Lena sind Vater und Mutter.
Sheryn: Sie heiraten 1911 und wohnen in Appenzell und lieben die Berge.
Sheryn: 1919 wird die Stelle als Wetterwart auf dem Säntis frei.
Sheryn: Heiri bewirbt sich auf den Job und kommt die Stelle auch über.
Sheryn: Also ziehen die beiden in die Wetterwarte auf den Säntis.
Sheryn: Lena leistet dem Heiri eine Gesellschaft auf dem einsamen Berg und muss ihn
Sheryn: auch beim Job vertreten, wenn er mal krank ist. Hier oben leistet ihnen auch
Sheryn: noch einen Hund und eine Katze Gesellschaft.
Sheryn: Und die beiden Töchter, die wohnen aber nicht auf dem Säntis oben.
Sheryn: Sie wohnen bei den Grosseltern im Tal und gehen aber in den Schulferien immer
Sheryn: auf den Berg hinauf, um natürlich die Eltern zu besuchen.
Sheryn: Heiri und Lena haben genau das Leben, was sie eigentlich wollen.
Sheryn: Sie haben Ruhe auf dem Berg, sie haben eben Natur und einen Job, den sie gerne machen.
Sheryn: Bis dann im Februar 1922 ein Gast auf dem Säntis hochkommt.
Sheryn: Der Mann heisst Gregor. Er kommt 1892 zu Deutschland auf die Welt und lernt
Sheryn: später einen Job, wo es heutzutage nicht mehr so viel gibt.
Sheryn: Nämlich ist er Schuhmacher. Also er macht wirklich Schuhe.
Sheryn: Seine grosse Leidenschaft sind auch die Berge. Er klettert gern,
Sheryn: wandert und fährt so viel wie möglich Ski. Also immer im Winter geht er Skifahren.
Sheryn: Und weil es hier in der Ostschweiz so schöne Berge gibt, zyklet er dann auch
Sheryn: von Deutschland hierher.
Sheryn: Einmal wohnt er zum Beispiel sogar in Herisau, Einmal ziehr er nach Trogen und einmal in St. Gallen.
Sheryn: Er ist auch Mitglied in verschiedenen Bergsportvereinen. Das Problem ist aber,
Sheryn: er arbeitet immer weniger und geht immer viel mehr in die Berge.
Sheryn: Das heisst, irgendwann hat er kein Geld mehr, weil die Ausflüge kosten ja auch Geld.
Sheryn: Und wenn er dann weniger arbeitet, kommt weniger Geld in. Und so macht er sich dann also Schulden.
Sheryn: Freunde von ihm lehnen ihm am Anfang noch Geld aus. Aber irgendwann wollen sie
Sheryn: nicht mehr, weil sie kommen ja nie mehr zurück.
Sheryn: Er wird dann sogar noch aus einem Sportverein rausgeworfen, weil er Sachen aus
Sheryn: der Hütte geklaut hat. Und 1921 geht dann auch noch sein Schuhmachergeschäft komplett pleite.
Sheryn: Genau jetzt kommt eine Idee. Gregor kennt nämlich den Heiri vom Wandern und Klettern.
Sheryn: Und er ist schon ungefähr 200 Mal auf den Säntis geklettert und kennt darum
Sheryn: auch den Säntis sehr gut.
Sheryn: Was zusätzlich auch noch wichtig ist, als damals der Post als Wetterwart frei
Sheryn: wurde, hat Heiri sich ja für den Job beworben.
Sheryn: Aber Gregor auch.
Sheryn: Weil Heiri den Job aber bekommen hat, ging dann Gregor leer aus und musste weiterhin
Sheryn: als Schuhmacher arbeiten.
Sheryn: Anfang 1922 ist der Gregor ja dann eben pleite.
Sheryn: Er will aber wieder ein neues Geschäft aufmachen und bräuchte dafür Geld.
Sheryn: Und weil seine Kollegen ihm nichts mehr auslehnen, setzt er jetzt Hoffnung auf den Heiri.
Sheryn: Er weiss nämlich, dass der Wetterwart sehr gutes Geld verdient und dass die
Sheryn: beiden, also Heiri und Lena, auch sehr hilfsbereit sind.
Sheryn: Am 16. Februar macht er sich darum auf den Weg auf den Säntis rauf.
Sheryn: Er hat Ski dabei, die hat er so auf den Rucksack gebunden.
Sheryn: Und obwohl es Winter ist, kommt er noch am gleichen Tag auf den Gipfel an,
Sheryn: weil er ja sehr gut im Wandern und Klettern ist.
Sheryn: Heiri und Lena sind überrascht, dass in diesem Bett hier und im Winter überhaupt
Sheryn: jemand auf die Säntis hochklettert und ein Gast vorbeikommt.
Sheryn: Aber natürlich, so gastfreundlich und nett wie sie sind, nehmen sie ihn auf.
Sheryn: Und Gregor bleibt eine Nacht, zwei Nächte, drei Nächte und er will eigentlich
Sheryn: auch gar nicht mehr runtergehen.
Sheryn: Am Sonntag, 19. Februar, schickt Lena eine Nachricht ins Tal.
Sheryn: Eben über die spezielle Leitung von früher.
Sheryn: Sie hätten den Gast erzählt, und zwar den Gregor. Und darum werden ihre Essensvorräte
Sheryn: früher wahrscheinlich schon knapp werden. Also da heisst sie,
Sheryn: sie haben dann wahrscheinlich bald kein Essen mehr.
Sheryn: Darum müssen sie schneller wieder einen von diesen Säntisträgern hochwandern
Sheryn: und ihnen wieder Essen bringen.
Sheryn: Am nächsten Morgen schreibt sie nochmal eine Nachricht. Und zwar sagt sie,
Sheryn: der Gast sei immer noch da und macht den Anschein, als würde er nicht mehr runtergehen.
Sheryn: Gregor behauptet aber, das Wetter sei einfach zu schlecht, um runter zu gehen.
Sheryn: Wenn das Wetter schlecht ist, ist es auch gefährlich. Lena weiss aber,
Sheryn: dass Gregor eigentlich ein sehr guter Skifahrer ist und darum findet sie die
Sheryn: Begründung ein bisschen komisch und ist ein bisschen skeptisch.
Sheryn: Im Büro im Tal werden sie langsam dann auch misstrauisch, also die,
Sheryn: die immer die Nachrichten überkommen.
Sheryn: Und sie überprüfen dann den Namen von Gregor. Auf die Schnelle findet sie aber nichts Komisches.
Sheryn: Am Dienstag, 21. Februar, ist das Wetter dann wieder besser und Lena schreibt,
Sheryn: dass Gregor heute wahrscheinlich runtergeht.
Sheryn: Jetzt muss er also nur noch für die Unterkunft und die Verpflegung zahlen.
Sheryn: Etwa am 1 Uhr am Nachmittag schicken Heiri und Lena dann wie immer wieder die
Sheryn: Wetterdaten ins Tal runter.
Sheryn: Und das ist dann aber auch ihr letzte Lebenszeichen.
Sheryn: Was genau in den nächsten Stunden passiert, weiss bis heute niemand zu 100%.
Sheryn: Man kann es aber anhand der Spuren, die gefunden werden, rekonstruieren.
Sheryn: Wahrscheinlich fragt nämlich Gregor Heiri um finanzielle Hilfe.
Sheryn: Und er kann ja auch seine Unterkunft nicht zahlen, weil er ja sowieso schon kein Geld hatte. hat.
Sheryn: Er will nämlich jetzt auch Geld vom Heiri auslehnen, damit er im Tal unten wieder
Sheryn: ein neues Geschäft aufmachen kann.
Sheryn: Aber der Heiri will ihm nicht helfen, weil so gut kennt sich es jetzt auch nicht.
Sheryn: Und einfach so über dem ganz viel Geld auslehnen, will man halt auch nicht unbedingt.
Sheryn: Eventuell werft der Gregor dem Heiri dann vor, dass seine Situation mit dem
Sheryn: Geld nur so schlecht ist, weil der Heiri am Gregor damals mal den Job als Wetterwart
Sheryn: sozusagen weggeschnappt hat.
Sheryn: Und irgendwann eskaliert dann die Situation und streitet sie.
Sheryn: Trotzdem essen alle drei, also Gregor, Heire und Lena, zusammen zum Mittag.
Sheryn: Nach dem Essen geht der Heiri wieder zum Wetterhäuschen her zu arbeiten.
Sheryn: Ab da gibt es zwei mögliche Rekonstruktionen. Entweder begleitet Gregor den
Sheryn: Heiri heraus oder er folgt ihm heimlich heraus.
Sheryn: Der Heiri lässt dann wahrscheinlich ganz normal die Wetterdaten des Häuschen
Sheryn: ab, wie er es immer macht.
Sheryn: Und als Gregor hinter dem Heiri steht, zückt dann plötzlich seine Pistole, die er dabei hat.
Sheryn: Wahrscheinlich versucht er nochmals Geld vom Heiri zu bekommen,
Sheryn: indem er ihn mit der Waffe bedroht.
Sheryn: Heiri versucht dann zu flüchten, weil er Angst vor der Waffe hat.
Sheryn: Aber Gregor schiesst dann von hinten auf ihn.
Sheryn: Der Schuss trifft Heiri in die Rippe und dann bricht er zusammen.
Sheryn: Gregor geht danach zurück in die Wette zu warten. Dort ist dann auch Lena.
Sheryn: Sie sitzt im Büro und arbeitet ganz normal. Ohne zu zögern, zückt aber auch
Sheryn: hier Gregor seine Pistole und schiesst auf sie.
Sheryn: Der erste Schuss geht aber in die Wand, also er trifft nicht.
Sheryn: Dann schüsst er aber zweitens und auch dieser Schuss trifft Lena im Oberkörper und sie sterbt.
Sheryn: Gregor versucht danach, seine Spuren zu verschwinden zu lassen,
Sheryn: dass er dort zu Besuch war.
Sheryn: Und er risst auch die Telegrafenleitung, also das Kabel, raus,
Sheryn: damit Heiri und Lena zu diesem Zeitpunkt, falls sie noch am Leben wären,
Sheryn: keine Nachricht mehr ins Tal schicken und somit auch keine Hilfe mehr holen könnten.
Sheryn: Gregor sammelt dann ein paar Wertsachen zusammen, zum Beispiel Bargeld,
Sheryn: einen wertvollen Feldstecher, die Uhr von Heiri und ganz viel Schmuck von Lena.
Sheryn: Gregor legt seine Ski an und fährt vom Säntis runter.
Sheryn: Er nimmt nicht den normalen Weg. Wahrscheinlich will er verhindern,
Sheryn: dass die Spuren im Schnee offensichtlich
Sheryn: sind und dass jeder sie sieht und weiss, dass es dann er war.
Sheryn: Ungefähr zwei Stunden später kommt er dann wieder im Tal an.
Sheryn: Am Abend warten im Büro im Tal vergeblich die Leute, die dort arbeiten,
Sheryn: auf das nächste Wetterbericht. Denn er kommt ja immer am Morgen, am Mittag und am Abend.
Sheryn: Damals meldet sich niemand vom Säntis.
Sheryn: Zuerst denken sie, vielleicht ist ja wieder das Kabel kaputt.
Sheryn: Das passiert ja immer wieder.
Sheryn: Darum machen sich den Säntisträger auf den Weg hoch und gehen den Leitungen
Sheryn: entlang und kontrollieren überall, ob das Kabel kaputt ist.
Sheryn: Aber das Wetter wird leider schlechter und darum kommen sie wegen Schnee und
Sheryn: Eis nicht ganz auf den Berg hoch.
Sheryn: Am Mittwoch nicht, am Donnerstag nicht und auch nicht am Freitag.
Sheryn: Erst am Samstag, am 25. Februar, ist das Wetter wieder gut.
Sheryn: Einer von den Säntisträgern und zwei anderen Männer machen sich dann wieder auf den Weg hinauf.
Sheryn: Und je näher sie zum Gipfel kommen, desto komischer finden sie das Ganze.
Sheryn: Normalerweise steht nämlich der Heiri schon draussen und winkt ihnen entgegen und freut sich schon.
Sheryn: Damals aber nicht. Und aus dem Kamin vom Häuschen sehen sie auch keinen Rauch aufsteigen.
Sheryn: Aber eigentlich ist es ja Winter und man müsste ja heizen.
Sheryn: Das heisst, es müsste ja eigentlich Rauch aufsteigen.
Sheryn: Und je näher das kommt, desto Leute hören sie dann auch noch einen Hund bellen.
Sheryn: Er bellt ganz laut und hühlt auch so schlecht.
Sheryn: Die drei Männer machen dann die Türe bei der Wohnung auf, beim Haus,
Sheryn: und finden dann dort innen die Lena am Boden liegen.
Sheryn: Und sie merken dann schnell, dass sie tot ist.
Sheryn: In der Wohnung herrscht ein riesiges Chaos.
Sheryn: Aber sie merken dann auch, dass das wahrscheinlich vom Hund stammt.
Sheryn: Weil er ist tagelang ohne Essen dort und hat sich von der Leine losgerissen
Sheryn: und in der Wohnung ganz viele Sachen verwüstet, weil er natürlich Essen gesucht hat.
Sheryn: Auch die Katze, die lebt noch, hat aber auch mega Hunger und Durst.
Sheryn: Und sie geben dem Hund und der Katze natürlich Essen und Trinken.
Sheryn: Und die Männer gehen dann auch raus und suchen den Heiri. Sie finden ihn dann
Sheryn: in der Nähe des Wetterwaters und erliebt im Schnee.
Sheryn: Auch jetzt ist klar, dass nicht nur die Telegrafenleitung kaputt ist,
Sheryn: sondern zwei Menschen auf dem Säntis umgebracht worden sind.
Sheryn: Die Männer gehen wieder ein Stück runter, zu einem Wirtshaus.
Sheryn: Und von dort aus geht nämlich die Nachrichtenleitung nach.
Sheryn: Sie funktioniert und so können sie dann die Polizei alarmieren.
Sheryn: Am nächsten Tag wandert dann ein grosses Ermittlungsteam der Polizei auf die Säntis hoch.
Sheryn: Unterwegs fällt ihnen etwas im Schnee auf. Nämlich eine leicht verschneite Spur,
Sheryn: so als wäre jemand ganz langsam in kurzen Schwüngen vom Säntis runtergefahren mit der Ski.
Sheryn: Die Ermittler haben darum jetzt schon einen Verdacht.
Sheryn: Es könnte ja Gregor gewesen sein.
Sheryn: Weil erstens ist er ein sehr guter Skifahrer und das wissen eigentlich alle in der Region.
Sheryn: Und zweitens hat Lena ja einmal per Telegraph geschrieben, dass Gregor als Gast
Sheryn: bei ihnen auf dem Säntis ist.
Sheryn: Und darum rückt er sehr schnell in den Fokus der Ermittlungen.
Sheryn: Bei diesen Ermittlungen passiert dann auch etwas, was wahrscheinlich alle Ermittler
Sheryn: ein bisschen hässig macht. Bevor das Ermittlungsteam nämlich oben ist,
Sheryn: geht einer von den drei Mann in die Wetterwarte hinein.
Sheryn: Er heizt ein und kocht Tee und tut die drei benutzten Teller,
Sheryn: die ja Heiri, Gregor und Lena zum Mittagessen haben, den Teller und Besteck abgewaschen und verräumt.
Sheryn: Aber somit geht auch eine wichtige Spur kaputt.
Sheryn: Denn mit diesen Tellern könnte man ja herausfinden, wer die Personen waren und so.
Sheryn: Dort hat es ja auch z.B. Fingerabdrücke drauf und so. Aber der ist jetzt halt
Sheryn: weg, weil er es ja abgewaschen hat.
Sheryn: Trotzdem könnte die ErmittlerInnen vieles dokumentieren. Die Leiche werden dann
Sheryn: auch noch untersucht und später mit dem Schlitten vom Säntis herabgetransportiert.
Sheryn: Gregor ist selber schon lange wieder im Tal und über alle Berge.
Sheryn: Er hat nämlich zuerst in einer Unterkunft in der Nähe von Appenzell übernachtet, unter falschem Namen.
Sheryn: Und am nächsten Morgen hat er dann die Ski einfach dort gelassen und hat den
Sheryn: Zug auf St. Gallen genommen, wo er aktuell gerade wohnt.
Sheryn: Dort sucht er Verzweifelt immer noch nach Geld. Also verkauft er die Gegenstände,
Sheryn: die er mitgenommen hat vom Säntis.
Sheryn: Und zwar den Feldstecher und auch die Uhr und den Schmuck, den er von Lena geklaut hat.
Sheryn: Diese Sachen können klar dem Heiri und Lena zugeordnet werden.
Sheryn: Man weiss ja von Fotos und so, dass die beiden die Uhr und den Schmuck angekommen haben.
Sheryn: Und somit ist der Verdacht gegen ihn jetzt noch stärker. Die Polizei leitet
Sheryn: eine grosse Fahndung ein, also sie suchen nach einem Gregor überall.
Sheryn: Es gibt einen Steckbrief, wie er ausgesehen hat und wann er so angekommen hat.
Sheryn: Die Beschreibung wird sogar ins Ausland, also auf Deutschland und Österreich
Sheryn: verteilt, damit man auch dort nach ihm suchen kann, weil man das Gefühl hat,
Sheryn: er sei auf Österreich geflüchtet.
Sheryn: Aber tatsächlich wird er immer wieder in verschiedenen Dörfern in der Region
Sheryn: gesehen und auch zum Teil in St. Gallen.
Sheryn: Aber immer, wenn jemand die Polizei anruft, ich habe ihn gesehen,
Sheryn: dann kommt die Polizei zwar direkt hin, er ist aber schon wieder weg von diesem
Sheryn: Ort. Also es ist jedes Mal spät.
Sheryn: Am 3. März suchen dann fast 50 Leute St. Gallen nach ihm, aber ohne Erfolg.
Sheryn: Gregor merkt wahrscheinlich, dass die Polizei ihm auf den Fersen ist und er
Sheryn: verlässt die Stadt und geht wieder Richtung Schwägalp.
Sheryn: Am 4. März wird er dort in einer Alphütte tot aufgefunden. Er hat nämlich zwei
Sheryn: kleine Briefe für seine Freundin geschrieben und verabschiedet sich dort von ihr.
Sheryn: Somit endet dann auch die Suche, das man dann gefunden hat. Zwar nicht mehr
Sheryn: lebendig, aber trotzdem.
Sheryn: Zu einem Prozess kommt es also nicht, weil man den Gregor ja nicht verurteilen
Sheryn: kann, wenn er tot ist. Er konnte wahrscheinlich nicht damit leben,
Sheryn: dass er Leute umgebracht hat. Mit einer Schuld konnte er nicht umgehen.
Sheryn: Und dann kann er auch nie erklären, was genau das Motiv war,
Sheryn: also wieso er die beiden umgebracht hat. Wahrscheinlich eben wegen dem Geld.
Sheryn: Heiri und Lena Haas werden dann das Appenzell am 1. März beerdigt.
Sheryn: Ganz viele Leute kommen und die Anteilnahme ist riesig.
Sheryn: Ihr seht hier auch eine Musikgesellschaft, die für Heiri und Lena spielt und ganz viele Leute auf jeden Fall.
Sheryn: Auch hier gibt es Tausende von Menschen, die kommen.
Sheryn: Und in der Kirche sind sogar die 2000 Plätze komplett voll und Leute müssen auch noch draussen stehen.
Sheryn: Und die Strassen sind auch voll. Später kommen Heiri und Lena einen Grabstein
Sheryn: über mit einer Gedenktafel. Der Grabstein ist ziemlich gross,
Sheryn: viel grösser als alle normalen.
Sheryn: Und dort drauf sind sogar ihre Gesichter, dann hat es noch eine Blümchen drauf
Sheryn: und es ist auch noch das Wetterhäuschen vom Säntis, weil der gehört natürlich fest zu ihnen.
Sheryn: Der Stein steht heute immer noch als Appenzell, also falls ihr mal nicht vorbeigeht,
Sheryn: dann sehen ihr es vielleicht und genau wegen diesem Grabstein kennt man über
Sheryn: 100 Jahre später den Fall immer noch als Säntismord.
Dario: Ich fand diese Geschichte sehr spannend. Ich habe sie schon ein wenig kennengelernt.
Dario: Aber aus dieser Perspektive, die Sheryn sie erzählt hat, ist schon sehr krass.
Dario: Und ihr müsst euch überlegen, das ist 15 km von hier weg. Das ist nahe passiert.
Dario: Das ist mega tragisch. Ich fand die Geschichte sehr spannend.
Sheryn: Danke vielmals. Hat mich sehr gefreut, dass du so zugehört hast.
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