1805: Nicole und Sonja - Schlossmetzgerei Scheiwiller

Shownotes

Die Aufnahme ist in der Schlossmetzgerei in Herisau entstanden. Zu Beginn erklären Nicole und Sonja unseren Jungreporterinnen Aria und Alina, wie ihr Berufseinstieg in die Metzgerei kam und wie die Arbeit dort aufgebaut ist. Die Mitarbeitenden und die Lernende werden vorgestellt, ebenso ihre unterschiedlichen Aufgaben im Betrieb.

Ein Schwerpunkt ist die Herstellung von Wurstwaren, besonders der Bratwurst. Beschrieben werden der Einkauf der Tiere, das Schlachten, das Zerlegen, das Verarbeiten der Fleischabschnitte und das Mischen im sogenannten Blitz. Danach werden die Würste abgefüllt, gekocht, abgekühlt und im Kühlraum gelagert, bevor sie verkauft werden. Auch das Räuchern von Würsten und das Trocknen von Salami werden erwähnt.

Nicole Scheiwiller erzählt von ihrem Werdegang, ihrer Familie und ihrer Rolle als Geschäftsführerin. Sie übernimmt Büro, Bestellungen, Personalplanung und Buchhaltung, hilft aber auch im Laden und in der Produktion mit. Die Metzgerei wird seit 2003 von ihr und ihrem Mann geführt; der Betrieb besteht seit 1971.

Sonja befindet sich im dritten Lehrjahr als Fleischfachfrau mit Schwerpunkt Feinkostveredelung. Sie berichtet, dass sie durch ein Schnuppern auf den Beruf kam. Ihre Arbeit umfasst Wurstwaren, Schinken, Verkauf, Platten und Partyservice. Sie erklärt auch die drei Bereiche des Berufs: Schlachtung, Verarbeitung und Feinkostveredelung.

Weitere Themen sind Arbeitszeiten, Saisonspitzen wie Weihnachten, Tierwohl, Hygiene, Lebensmittelwissen und Kundenberatung. Es wird betont, dass die Metzgerei über 90 Prozent selbst produziert, dass Kreativität wichtig ist und dass sich der Beruf durch veränderte Kundenwünsche und mehr vegetarische Angebote weiterentwickeln musste.

Credits

  • Recherche: Aria, Alina
  • Vorbereitung: Benjamin, Schwoegi
  • Aufnahme: Sophie
  • Foto: Leonie
  • Optimierung: Schwoegi mit Auphonic
  • Schnitt: Schwoegi mit Audacity
  • Grafik: Schwoegi mit Photoshop
  • Publikation: Schwoegi
  • Original Musik: Tu eres mi musa (New World Polka) by spinningmerkaba, https://dig.ccmixter.org

Transkript anzeigen

Sonja: Als Kind wollte ich schon immer etwas mit Tieren machen und dann,

Sonja: weil das Schnuppern abgesäht wurde, bin ich dann ganz spontan in eine Mützgerei

Sonja: gekommen und konnte schnuppern und dann hat es mir gefallen.

Sonja: Ja und dann bin ich so noch weiter schnuppern.

Aria: Hoi miteinander. Wir sind heute hier in der Schlossmetzgerei in Herisau.

Aria: Hier am Tisch sitzen Sonja und Nicole. Hoi miteinander.

Nicole: Hoi miteinander.

Aria: Technik macht Sophie und Fotos werden von der Leonie geschossen.

Aria: Neben mir sitzt Alina und ich bin Aria.

Aria: Wenn wir im Laden eine Bratwurst kaufen, wie viel Arbeit steckt dahinter,

Aria: bis sie in den Theken liegt?

Nicole: Oh, da steckt viel Arbeit dahinter. Anfangen wird es beim Tiereinkauf von Produzenten

Nicole: oder den Viehhändlern von unserem Vertrauen.

Nicole: Dann werden die Tiere entweder im Wazenhaid oder im Winkel gemetzgete.

Nicole: Dann kommen die Hälfte der Tiere, von Kälb und Schwein sind die Hälfte und vom Rindviertel zu uns.

Nicole: Wir verarbeiten sie dann weiter, ausdrissieren, damit wir auch die fertigen

Nicole: Stücke haben. Die Abschnitte werden dann ins Wurstfleisch genommen.

Nicole: Das Wurstfleisch muss dann so schnell wie möglich verarbeitet werden.

Nicole: Das heisst, das Fleisch mit Zwiebeln, Speck, Milch z.B.

Nicole: bei der Brotwurst oder Eis wird dann in einem grossen Blitz zusammengemixet

Nicole: und zum Brät verarbeitet.

Nicole: Und dann wird das gestossen in einen Wurstfüller, also in die Dermine.

Nicole: Und bei den Brotwürsten ist es dann so, dass die 25 bis 30 Minuten im Kissen gekocht werden.

Nicole: Dann wird es abgekühlt, die Hälfte der Zeit im kalten Wasser.

Nicole: Und dann wird es aufgehängt im Kühlraum.

Nicole: Und am besten ist, wenn es etwa einen halben Tag bis einen Tag gekühlt sind,

Nicole: bevor wir es dann im Verkauf geben und verzehrt werden.

Nicole: Aber man könnte es auch gleich am gleichen Tag essen.

Aria: Was ist denn so ein Blitz?

Nicole: Der Blitz ist eigentlich wie eine grosse Teigmaschine, in der das Fleisch verschnitten

Nicole: und gehackt wird und dann so vermengt mit einem grossen Messer.

Nicole: Und dass es dann so einen feinen Teig aus dem Fleisch gibt.

Nicole: Das Fleischkäsbrät kennt ihr vielleicht, wenn ihr einmal Fleischkäs in der Folie esst.

Nicole: die Konsistenz hat es dann eigentlich, wenn es dann abgefüllt wird, in term.

Nicole: Jetzt sind wir hier in der Produktion, wo die Würze drauf sind,

Nicole: das ist der Blitz, wo wir auch ein Fleisch-Spray machen.

Nicole: Und dann wird ein Spray hier oben in die Trifte rein tun und normalerweise kommt

Nicole: hier so eine Röhrchen raus und dort werden dann die Würste gemacht.

Nicole: Das haben sie nicht zusammengesetzt, weil sie es heute Morgen gebraucht haben.

Nicole: Dort in diesem grossen Kissen werden die Würste gekocht und hier rein werden sie gereucht.

Nicole: Und hinter diesen Kissen machen wir den Salami. Hier wird der Salami getrocknet.

Alina: Nicole, wer bist du? Erzähl ein bisschen von dir.

Nicole: Ich bin Nicole Scheiwiller, bin 51 und wohne seit eh und je hier in Herisau.

Nicole: Ich bin hier an dieser Strasse aufgewachsen, bin aber im Metzgereibetrieb reinkommen durch meinen Mann.

Nicole: Ich habe selber das KV gemacht auf der Gemeinde und habe mit dem Heirat dann

Nicole: in die Metzgerei gewachsen.

Nicole: Wir haben zwei erwachsene Kinder und wir führen den Betrieb seit 2003.

Nicole: Vorher haben dann die Eltern von meinem Mann geführt.

Nicole: Die Metzgerei hier besteht seit 1971, also die hat schon vor ihm seine Eltern etwas übernommen.

Alina: Weisst du deine Aufgabe hier?

Nicole: Ich bin mit meinem Mann zusammen Geschäftsführerin hier.

Nicole: Mein Teil ist einerseits der ganze Bürotrakt mit Bestellungen aufnehmen,

Nicole: Bestellungen weitergeben, das Personal, das ich planen muss,

Nicole: die Buchhaltung, das ich alles mache.

Nicole: Aber ich helfe auch immer im Betrieb mit, immer wenn Notenmann ist oder auch

Nicole: fix am Freitag und Samstag. Da mache ich auch ein bisschen alles.

Nicole: Marketing, solche Sachen gehören auch ein bisschen dazu oder solche Sachen wie mit euch.

Alina: Sonja, welche Ausbildung machst du genau?

Sonja: Ich mache Fleischfachfrau Feinkostverödelung, bin jetzt gerade im dritten Lehrjahr.

Alina: Wieso hast du den Beruf entschieden?

Sonja: Als Kind wollte ich schon immer etwas mit dir machen und weil das Schnuppern

Sonja: abgesäht wurde, bin ich dann ganz spontan in eine Mützgerei gekommen.

Sonja: Dann konnte ich schnuppern und dann hat es mir gefallen.

Sonja: Ja und dann bin ich so noch weiter schnuppern.

Aria: Was macht ihr alles selber?

Sonja: Wir machen alle Wurstware selber. Aufschnittwürste, Roulade, Bratwürste und so.

Nicole: Ja auch Schinken machen wir selber. Aber eigentlich machen wir alles selber,

Nicole: was wir in den Theken noch sehen. Ausser Trotschinkensachen,

Nicole: Bündnerfleisch oder gewisse Salami.

Nicole: Aber wir haben auch zwei Sorten Salami, die wir auch selber produzieren.

Nicole: Wenn ihr mal unsere Theken anschaut, dann seht ihr, dass wir hier sehr vielseitig sind.

Nicole: An Weihnachten brauchen wir wirklich sehr viel Fleisch. Bei uns ist wirklich

Nicole: die Hauptsaison der Sommer und an Weihnachten. An Weihnachten muss jeder Metzger

Nicole: wirklich einen Zeck haben.

Nicole: Da sind sechs am Chino anschneiden und etwa sechs Leute am Leggen.

Nicole: Und ein bis zwei Personen sind am Einpacken. Die letzten drei Tage nehmen wir

Nicole: neben der Wursterei, die wir richten. Dann muss man am Morgen zuerst die Wurst

Nicole: oder die Brätsachen machen, die Fleischkönsfolie.

Nicole: Wenn die aufgewäschen haben und alles sauber ist, fangen wir hier hinten an

Nicole: mit dem Chino zu schneiden.

Nicole: Wenn man das nicht einmal erlebt hat, kann man sich das nicht richtig vorstellen.

Aria: Was unterscheidet eine handwerkliche Metzgerei vom Fleisch aus dem Körper oder aus dem Migros?

Nicole: Das ist natürlich schon, dass wir das Fleisch oder das Tier von unseren Produzenten,

Nicole: das wir kennen, von den Bauern oder über den Viehhändler, die wir schon lange

Nicole: zusammen arbeiten, bezüchten.

Nicole: Wir schauen von Anfang an, dass das Tier gut geht und dass man ihnen gut schaut.

Nicole: Zuerst einmal, dass die gut aufwachsen und dann, wenn sie in einen Schlechtbetrieb

Nicole: kommen, dass es ihnen gut geht.

Nicole: Und dann ist natürlich auch bei der Verarbeitung, dass wir da eine grosse Sorgefalt

Nicole: hinterlassen, Wir müssen schauen, dass Fachgerecht gelagert wird,

Nicole: was manchmal halt bei den Grossen schnell schnell gehen muss.

Nicole: Unsere Tiere dürfen wachsen, bis sie einfach das Gewicht haben und nicht,

Nicole: dass sie in drei Monaten draussen sein müssen.

Aria: Was ist eure persönliche Lieblingsspezialität?

Sonja: Meine ist der Apelzeillerfleischkäse. Da hat man zum Beispiel keinen Apelzeillerkäse

Sonja: drin. Und den haben wir ja jetzt auch im Glas, welches sehr gut läuft.

Nicole: Für mich ist es schwieriger, studieren zu müssen, was hier ist.

Nicole: Aber ein fein, saftiges Gordenblühe geht immer auf den Tisch.

Aria: Was ist schwieriger herzustellen, als mehr Kunden und Kundinnen denken?

Sonja: Es ist schwieriger, wenn ich die Wurstware, weil wir es trotzdem noch viel machen,

Sonja: dafür dass mal eine Bratwurst auf dem Tisch ist.

Sonja: Und zum Beispiel Rohpöckelware, also Speck oder so, braucht es trotzdem noch

Sonja: länger, weil man es kochen, salzen, räuchen und dann immer wieder abkühlen zwischen denen.

Alina: Sonja, wie hast du dich da beworben und bist du da schnuppern?

Sonja: Ein Verwandter hat mich darauf gewusst, dass es hier noch eine Metzgerei hat

Sonja: und dann haben sie gedacht, ich gehe mal schnuppern.

Sonja: Dann bin ich schnuppern und habe mich nachher beworben.

Sonja: Von der Schule aus mussten wir eine Bewerbung schreiben, dann habe ich die anpassen

Sonja: können. Dann habe ich mich beworben und dann haben sie mich genommen.

Alina: Wie bist du aufgewachsen und bist du gerne in die Schule gegangen?

Sonja: Ich komme von Hornwil mit Bauern daheim. Ich habe eine Schwester und einen Bruder.

Sonja: Zuerst bin ich in Hornwil in die Primarschule und dann musste ich drei Jahre auf Stehen in die Zick.

Sonja: In die Schule bin ich meistens gern wegen den Kollegen und das Turnen hat mir sehr Spass gemacht.

Sonja: Und den Rest hat man halt einfach gemacht.

Alina: Was machst du in der Freizeit?

Sonja: Ich bin aktisch im Turmverein, unten auch Jugendleiter, sonst gehe ich auch

Sonja: noch gerne mit dem Velo einmal ein bisschen fahren und halt auf dem Betrieb helfen.

Nicole: Sonja kommt jeden Tag mit einem Velo von Hohenbildern, bei Wind und Wetter.

Nicole: Und auch im Winter. Es ist, glaube ich, kein Tag vergangen, oder vielleicht

Nicole: einmal, als die Mutter...

Sonja: Ja, wenn das Velo abgelegen ist.

Nicole: Genau, aber sonst ist es echt stark. Das ist eine mega Leistung, was sie da hat.

Alina: Sonja, wie hast du deine Ausbildung aufgebaut?

Sonja: Ich muss drei Jahre. Und dann am Anfang lernt man schon ein Typ kennen.

Sonja: Irgendwann kommt dann der Verkauf bei mir dazu. Ich muss auf Rorschach in die

Sonja: Schule, es gäbe aber auch zu Wattwil noch eine.

Sonja: UK haben wir die Spiez, das wäre am Thunersee.

Nicole: Einmal im Jahr, oder?

Sonja: Ja, einmal im Jahr, zwei bis drei Tage haben wir pro Jahr UK.

Aria: Du machst Feinkast und Veränderung wegen Senses noch?

Sonja: Es gibt drei Branchen bei dem Beruf. Das wäre eine Entgewöhnung,

Sonja: das wäre eine Schlechte.

Sonja: Dann gibt es Verarbeitung, die dann auch Tiere auspändeln und Wurste und Würste erstellen halt.

Sonja: Und dann gibt es eben das, was ich noch mache, Feinkostveredelung.

Sonja: Das ist halt dann auch der Verkauf und Platten herstellen, Partyservice und so weiter.

Nicole: Wenn ihr in die Häken reinschaut, da wo unten ist, da hat eigentlich überall Sonja Finger drin.

Nicole: Und Verarbeitung, die tun hinten durchschaffen, das tun wir auch ausbilden.

Nicole: und die Gewöhnung ist im Schlachthof. Oder es gibt zum Teil noch Metzgereien,

Nicole: aber nicht im Appenzellerland, die auch schlachten.

Alina: Sonja, wer musst du über Fleisch und Produkte wissen, um Kunden zu beraten können?

Sonja: Ich muss wissen, von wo das kommt, weil es gibt viele Kunden,

Sonja: die wissen, von welchem Betrieb oder ob es aus der Schweiz kommt, das Fleisch.

Sonja: Dann muss ich wissen, wie die einzelnen Stocken essen und wie lange das man

Sonja: kochen muss, wie lange das haltbar ist, was man daraus machen kann.

Alina: Was kannst du heute, was du am Anfang noch nicht konntest?

Sonja: Sicher die Fleischstöcke und was man daraus machen kann. Und vor den Leuten

Sonja: zu arbeiten, die mir am Anfang der Lehre sehr schwer gefallen ist.

Sonja: Und jetzt selbstverständlich geht.

Alina: Was war am Anfang schwierig?

Sonja: Dass in einer gewissen Zeit etwas fertig haben muss.

Alina: Wem musst du aufstehen, um hier arbeiten zu gehen?

Sonja: Normal ist oft die 7, wie bei den meisten Prüfen. Und dann gibt es auch noch

Sonja: so Tage, wo wir oft die 6 sind oder noch früher.

Sonja: Je nachdem, wie viel das läuft. Und jetzt zum Beispiel in der Gewöhnung oder

Sonja: in der Verarbeitung müssen die meisten so vier, fünf aufstehen oder halt im Betrieb schon sehen.

Sonja: Dass dann die Produkte im Laden nicht am ersten Abend fertig sind,

Sonja: wenn dann der Laden schon wieder zu ist.

Aria: Nicole, was hat sich in der Metzgerei die letzten 20 Jahre verändert?

Nicole: Die Vielfalt ist sicher grösser geworden. Die Ansprüche der Kunden auch.

Nicole: Die Kunden wollen genau wissen, von wo das Fleisch kommt.

Nicole: Vom Fleischkonsum her ist sicher, dass weniger Schweinfleisch gegessen wird

Nicole: wie früher, aber mehr Poulet, Rind und auch Lamm.

Nicole: Ich weiss noch, wo wir übernommen haben, vor etwa 23 Jahren hatte es noch kein

Nicole: Lamm in der Theke oder Poulet ganz wenig und jetzt ist praktisch kein Kunde,

Nicole: der ohne Poulet rausläuft.

Nicole: Und viele Fertigprodukte oder Halbfertigprodukte. Also man macht Spätzchen,

Nicole: man macht Sausen, man macht fertige Sachen, die die Leute nur noch erwärmen

Nicole: müssen. Das hat es früher noch nicht gegeben.

Aria: Ihr produziert über 90% selber. Wieso ist euch das so wichtig?

Nicole: Das ist unsere Handschrift. Und das abhebt uns auch von anderen Metzgereien

Nicole: oder sicher von den grossen.

Nicole: Wir wissen genau, was wir drin haben. Wir würzen auch unsere Würste noch rein.

Nicole: Wir wissen, wie viel Pfeffer, wie viel Matzis oder so es drin hat.

Nicole: Wir wagen alles immer schön ab, dass wir wissen, was genau drin hat.

Nicole: Also in einem Fleischkreis hat es manchmal auch viele Stücke drin,

Nicole: die es sicher bei den anderen manchmal nicht drin hat.

Aria: Was macht ein guter Lernende oder eine gute Lernende aus?

Nicole: Eine gute Lernende, das ist Sonja ganz bestimmt. Sie ist eine sehr gute Lernende.

Nicole: Sie ist aufmerksam, sie ist wissbegierig, sie fragt nach, sie steht nicht einfach

Nicole: so rum, sie ist sehr hilfsbereit, sie ist immer pünktlich, sehr freundlich.

Aria: Ist Sonja eure einzige Lernende?

Nicole: Momentan ist sie unsere einzige Lernende. Sie ist auch die erste Feinkost- und

Nicole: Verredelig-Lernende, die wir haben.

Nicole: Wir haben im 13. Jahrhundert den Betrieb umgebaut, wo wir einen grösseren Verkaufsraum haben.

Nicole: Und irgendwann haben wir dann gesagt, wir könnten auch jemanden im Verkauf ausbilden.

Nicole: Sonst haben wir eigentlich immer einen Verarbeiter ausgebildet.

Nicole: Aber es sind leider nicht mehr so viele, die das lernen wollen.

Nicole: sind wir aber offen, um weiter auszubilden.

Aria: Wie wichtig ist Nachwuchs bei eurem Beruf?

Nicole: Ohne Nachwuchs haben wir keine Zukunft. Wenn es keine Lernende gibt,

Nicole: gibt es irgendwann auch keine Metzgereien mehr, keine kleine Metzgereien mehr.

Nicole: Darum sind wir sehr darauf angewiesen, dass es Nachwuchs gibt.

Alina: Was bedeutet Tierwohl für eine Metzgerei?

Nicole: Tierwohl ist sehr wichtig. Wenn das Tier gut geht, Da merkt man dann schlussendlich

Nicole: auch in der Fleischqualität.

Alina: Merkt ihr Vegetarismus und den Trend zu weniger Fleisch?

Nicole: Ja, das merken wir. Ich glaube, es ist mehr der Trend zum bewussten Fleischkonsum

Nicole: zum Teil. Also der Fleischkonsum letztes Jahr ist hochgegangen,

Nicole: also ist grösser geworden.

Nicole: Aber die Leute, die in den Laden kommen, sagen manchmal, ich lese lieber einmal

Nicole: weniger Fleisch als mehr.

Nicole: Was die Leute auch das Gefühl haben, es ist beim kleinen Metzger teurer als in den Grossverteiler.

Nicole: Das stimmt nicht unbedingt. Wir haben eine andere Qualität.

Nicole: Bei Wurstwaren sind sie sicher günstiger, aber bei Edelstücken oder so,

Nicole: können wir eigentlich sehr gut mithalten. Und Veganer oder Fegileuten,

Nicole: da müssen wir schon auch ein bisschen drauf schauen.

Nicole: Vor allem auch, wenn wir Catering machen, dass wir dann etwas anbieten für Vegetarier.

Nicole: Dort haben wir Fegischnitzel oder Gemüsespießchen oder Grillkäse.

Nicole: Und auch im Laden ist sie immer wieder gefragt, weil sie zum Teil Gäste haben,

Nicole: die halt keine Fleisch essen, dass sie trotzdem etwas ihnen anbieten können.

Alina: Muss sich wegen der Metzgerei verändern?

Nicole: Ja, sie muss sich schon etwas anpassen, genau. Wenn wir nicht verkaufen,

Nicole: dann sind irgendwie fege Würfste oder so, dann müssen wir uns etwas weigern.

Nicole: Es gibt aber Metzgereien, die das auch selber produzieren. Aber ja,

Nicole: wir haben auch nichts gegen die Vegetarier. Es soll jeder so sich ernähren,

Nicole: wie er will. Wir sind natürlich froh, dass man Fleisch hat.

Nicole: Wenn du hier schaust, haben wir die Wanderbrotwurst, die Apazellofleischkässe,

Nicole: eine Salsicca, dann ist die Schweinsbrotwurst, nebenzu die Schloss-Mitzbrotwurst,

Nicole: die Adröte, die Südwürste, die Sülzli, die Zerwle.

Nicole: Das sind in diesem Bereich schon zehn verschiedene Sachen.

Nicole: Dann sind da wahrscheinlich über 100 verschiedene Sachen hier drin.

Aria: Muss man kreativ sein?

Sonja: Ja, kreativ ist schon sehr wichtig.

Sonja: Vor allem in der Branche, in der ich jetzt bin. So im Laden,

Sonja: wenn du die Tafeln schreiben oder Platten dekorieren musst.

Nicole: Ja, oder auch in der Auswahl der Produkte. Man muss immer wieder mal etwas Neues

Nicole: kreieren. Auf den Herbst vielleicht etwas mit Wild.

Nicole: Oder dass man Pilze einbaut. Im Frühling vielleicht etwas mit Spargeln oder so.

Nicole: Oder auch bei der Würst. Da gibt es immer wieder einmal eine neue Kreation.

Nicole: Die neueste ist wie nicht? Die Appenzeller. Appenzeller, Schweinzbrotwurst. Genau.

Nicole: Da gibt es eigentlich immer wieder einmal einen Wunsch, auch von Kunden,

Nicole: die fragen, könnt ihr mir bitte eine Wurst erstellen. Letztens haben wir etwas

Nicole: mit Öpfel machen, mit Öpfelmast für einen Thurgauer.

Nicole: Ja, und dann tun wir einmal ein bisschen pröbeln. Und schlussendlich muss es

Nicole: für den Kunden stimmen, aber auch für meinen Mann, weil er sagt,

Nicole: Er muss hinter dieser Wurst stehen, er will nicht etwas verkaufen,

Nicole: das er selber nicht gerne hat.

Aria: Was würden viele Menschen über euren Beruf falsch einschätzen?

Sonja: Ich sage, die meisten Menschen denken, bei diesem Beruf hast du immer mit Blut zu tun.

Sonja: Es ist immer als Blutung und so, was in der Regel nicht stimmt.

Sonja: In der Gewöhnung schon, aber in der Verarbeitung oder im Laden nicht.

Sonja: Wenn man es mit dem Geschmack klar kommen sollte, welches von den Gewürzen immer im Raum ist.

Sonja: Oder auch wenn es einmal Blutreste hat, am Stockfleisch und den Fleischsaft,

Sonja: sollte man schon sehen können.

Nicole: Ja, es ist nicht wirklich das Blut, das wir bei uns sehen, sondern der Fleischsaft,

Nicole: wo manchmal vielleicht die Leute ein wenig Mühe haben.

Nicole: Aber ja, es ist nicht so wie in einer Bäckerei, wo es immer nach süssem schmeckt.

Aria: Wie wichtig ist Hygiene und Lebensmittelwissen?

Sonja: Hygiene ist sehr wichtig in unserem Beruf, weil es wegen der Bakterien und der Haltbarkeit gibt.

Sonja: Und das Lebensmittelwissen ist auch wichtig, weil man muss ja wissen,

Sonja: was man verkauft und was man den Kunden angibt.

Nicole: Allergien sind ja auch immer wieder das Thema und darum müssen wir auch wissen,

Nicole: was in den Produkten drin hat oder wie man es würzt, damit man den Leuten auch Auskunft geben kann.

Alina: Nachdem wir jetzt wissen, wie viel Arbeit hinter einem Bratwurst steckt,

Alina: schauen Sie selber eigentlich noch gleich auf Fleisch wie andere Menschen?

Sonja: Ich schaue bewusst darauf, weil ich weiss, wie viel Zeit und wie viel Arbeit das dahinter steckt.

Nicole: Ja, Fleisch ist natürlich immer ein wichtiges Thema bei uns,

Nicole: auch wenn du mal im Restaurant bist oder in einem anderen Land.

Nicole: Du schaust vielleicht auch mal in eine Metzgerei hinein, wie es dort aussieht.

Nicole: Und ich glaube schon, ein Metzger schätzt eine gute Wurst oder ein gutes Stück

Nicole: Fleisch mehr, weil er weiss, was dahinter steckt.

Alina: Wir waren heute bei der Schlossmetzgerei Scheiwiller. Danke,

Alina: Nicole und Sonja, dass ihr Zeit gehabt habt.

Nicole: Danke für euch, dass ihr bei uns da gewesen seid.

Alina: Wenn du gerne mit Lebensmitteln arbeiten willst und wissen willst,

Alina: wo sie herkommen und Handwerke mit Kundenkontakt verbinden willst,

Alina: Dann solltest du dir einen Beruf in der Mitzgerei genauer anschauen.

Alina: Tschüss, Nicole und Sonja.

Nicole: Tschau miteinander.

Sonja: Danke vielmals.

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