1612: Susanne - um 04.00 Uhr Backstube, danach zur Schule

Shownotes

Susanne beschreibt zuerst ihre frühe Kindheit, in der sie bereits als Kind in einem Betrieb mithelfen musste. Diese Erfahrung habe ihr früh gezeigt, dass Arbeit zum Alltag gehört.

Bei der Berufswahl wurde ihr zunächst Pflege empfohlen. Sie merkte jedoch, dass ihr dort der direkte Kontakt mit den Menschen und die Zeit für gemeinsame Aktivitäten fehlten. Daraufhin entdeckte sie in einem Spital die Aktivierungsfachfrau und wusste, dass das eher ihrem Interesse entsprach.

Mit 20 wollte sie die Ausbildung beginnen, war dafür aber zu jung und entschied sich deshalb zunächst für die Physiotherapie. Sie absolvierte die Physiotherapieschule und arbeitete in diesem Bereich weiter, behielt die Aktivierung aber immer im Hinterkopf.

Später, als sie vier Kinder hatte und die Kinder grösser wurden, kam das Thema erneut auf. Während der Corona-Zeit fragte sie verschiedene Schulen an. Schliesslich machte sie die Ausbildung zur Aktivierungsfachfrau in Bern mit Präsenzunterricht und anschliessendem Praktikum.

Heute arbeitet sie in einem Altersheim in Zürich-Affoltern in der Aktivierung und weiterhin an drei Tagen pro Woche als Physiotherapeutin. Sie sagt, dass sie beide Tätigkeiten gern macht und nicht nur noch einen Bereich ausüben möchte.

An ihrer Arbeit in der Aktivierung schätzt sie besonders die gemeinsamen Aktivitäten mit den Bewohnern, etwa Turnen, Spaziergänge, Ausflüge, Kino und Geburtstagsfeiern. Sie erlebt die Bewohner als dankbar und freut sich, wenn sie ihnen etwas anbieten kann. Sie steht dafür früh auf und fährt je nach Wetter mit dem Töff oder mit Zug und Bus zur Arbeit.

Credits

  • Recherche: Quiana
  • Vorbereitung: Quiana
  • Aufnahme: Susanne, Quiana
  • Optimierung: Schwoegi mit Auphonic
  • Schnitt: Schwoegi mit Audacity
  • Publikation: Schwoegi
  • Foto: Schwoegi
  • Original Musik: Smooth city living, https://www.purple-planet.com

Transkript anzeigen

Susanne: Ich arbeite gerne, aber Aktivierung, das ist einfach, wenn jemand gerne

Susanne: Leute hat und mit den Leuten etwas gerne macht, ist das einfach das Beste.

Quiana: Wir befinden uns hier wieder einmal in unserer Kabine in der Freizeitarbeitungsstellung

Quiana: 2026 im Oberstufenzentrum in Gais.

Quiana: Ich bin Quiana und vis-à-vis von mir sitzt Susanne. Herzlich willkommen,

Quiana: Susanne. Mega schön bist du da.

Susanne: Hallo, ich bin Quiana.

Quiana: Du hast eine gewisse Laufbahn hingelegt, eine sehr spannende,

Quiana: im Gesundheits- und Sozialenwesen.

Quiana: Möchtest du mal am Anfang anfangen?

Susanne: Also ganz der Anfang war es schon als Kind. Wir mussten als Kind immer am 4.

Susanne: in die Wachstube arbeiten, bis am 7. morgens essen und in die Schule.

Quiana: In dem Fall hatten deine Eltern eine Bäckerei?

Susanne: Nicht meine Eltern, meine Mutter hat dort gearbeitet und ich bin einfach mit

Susanne: diesen Kindern aufgewachsen.

Quiana: Dann musstest du auch immer mithelfen?

Susanne: Immer.

Quiana: Okay, also du

Susanne: Wir mussten 5 Stunden lang, das war für dich schon viel. Das war so um die 80er-Jahre.

Quiana: Und dann bist du noch in die Schule gegangen?

Susanne: Ja, und dann sind wir am 07:00 Uhr zum Morgen gegessen, mal wie 08:00 Uhr.

Quiana: Wann bist du noch einmal um Abend schlafen gegangen?

Susanne: 19:00 Uhr, haben wir schon müssen.

Quiana: Und nachher, als es an Berufswahl ging, wie ist es da wieder gegangen?

Susanne: Dann bin ich eben als Berufsberater und der hat dann gesagt,

Susanne: die Pflege wäre gut oder so und so und hat mir erzählt, dass man mit den Leuten

Susanne: rausgehen kann und, und, und.

Susanne: Und ich habe dann gefunden, ja, das klingt gut, oder?

Susanne: Und dann irgendwie war es aber nicht so, wir hatten einfach keine Zeit für die Leute.

Susanne: Wir waren am Waschen und am Betten und allem, das war ja gut,

Susanne: aber ich hatte einfach keine Zeit für die Leute, es ist schwer zu etwas machen.

Quiana: Du wärst gerne mit den Leuten selber in Kontakt zu?

Susanne: Ja, so ist es eben dann vom Postberater kam und das war nicht so gewesen.

Susanne: Dann habe ich gedacht, ja gut, habe ich dort im Spital eine Aktivierungsfachfrau

Susanne: gesehen und habe gefunden, das wäre mein Beruf.

Susanne: Die hat mit denen Töpfer und Körb gemacht und gestrickt mit der Frau und,

Susanne: und, und. Dann habe ich gefunden, das wäre mein Beruf.

Susanne: Dann habe ich mich da gemeldet, bei der Aktivierungsfachfrau Schule,

Susanne: dann hat es geheissen, man muss mindestens 22 Jahre alt sein, lieber 60 Jahre alt.

Quiana: Wie alt bist du gewesen?

Susanne: Da war ich 20. Und dann hat man da gestunken und denkt ja, nein,

Susanne: jetzt zwei Jahre warten.

Susanne: Dann mache ich jetzt Physio. Das ist auch mit den Leuten zu tun.

Susanne: Das ist wirklich so gewesen. Und das gefällt mir immer noch.

Susanne: Ich arbeite auf dem immer noch.

Susanne: Und dann habe ich die Physioshule gemacht. Bei meinem Blinden,

Susanne: Seriousound. Herr Bolt, der ist bekannt.

Quiana: Da fängt es nicht, ich komme aus Seriousound.

Susanne: Ja gut, jetzt sind sie auch schon 85.

Quiana: Aha, fair, ja.

Susanne: Aber ich arbeite immer noch. Ich habe immer noch Leute.

Susanne: Und dann, ja, habe ich bei ihm gearbeitet und dann habe ich weiter Physio gemacht

Susanne: und ich habe einfach immer noch im Hinterkopf gehabt, die Aktivierung.

Susanne: Und dann habe ich vier Kinder gehabt, im Bauernhof, wir haben immer gearbeitet

Susanne: und dann habe ich gleich irgendwie immer das Gefühl gehabt, also die Aktivierung

Susanne: lasst mich nicht in Ruhe.

Susanne: Und dann, ja, sind die Kinder langsam draus gewesen und alles und dann ist ja

Susanne: Corona gekommen und jetzt gehe ich ja, ihr dürft nicht arbeiten,

Susanne: jetzt dürft man nicht mehr arbeiten, fertig. Und auf dem Buchhof haben wir ja

Susanne: immer zu tun gehabt, aber einfach habe ich gefunden, nein, so geht das nicht.

Susanne: Dann habe ich die Aktivierungsfachforschule in Zürich gefragt und die hätten

Susanne: Online-Kurs gehabt. Ich habe gesagt, nein, online ist nicht für mich.

Susanne: Und dann habe ich in Bern angefragt und MediBern hat gesagt,

Susanne: wir haben die Schule einfach mit Masken, okay.

Susanne: Ich habe gesagt, gut, mache ich das. Habe ich die Schule gemacht und nachher

Susanne: das Praktikum und jetzt arbeite ich in Zürich-Affoltern in einem Altersheim

Susanne: und das gefällt mir sehr gut.

Susanne: Ich kann mit den Leuten Turnen, Ritschka fahren, mit ihnen spazieren,

Susanne: Geburtstag feiern, Kino. Es ist einfach schön.

Quiana: Also dann schaffst du jetzt dort und auch noch als Physio?

Susanne: Ja, Physio habe ich Montag, Mittwoch und Freitag und Dienstag,

Susanne: Dienstag bin ich in Zürich.

Quiana: Und bist du zufrieden damit? Was ist so für dich?

Susanne: Ja, ist so schön. Ist so ein schöner Beruf.

Quiana: Würdest du dir wünschen, irgendwann nur noch beim Aktivieren zu arbeiten?

Susanne: Nein, ich mache beides gerne.

Quiana: Wie alt warst du, als du die Ausbildung gemacht hast, zum Aktivieren?

Susanne: Um 58.

Quiana: Dann hat sich der Traum 38 Jahre lang gehalten. Wow, das ist mega schön.

Quiana: Nachher hast du es einfach noch gemacht.

Susanne: Ja, und es ist wirklich so ein schöner Beruf. Du kannst mit den Leuten so viel

Susanne: machen und sie haben einfach Freude. Sie haben einfach Freude. Sie sind so dankbar.

Susanne: Und ich habe im Turnen, wir sind 100 Bewohner, haben wir. Und ich habe manchmal

Susanne: 35 Leute. Und das ist viel für uns.

Quiana: Ich hoffe, ich habe das Fall.

Susanne: Und die einen können wirklich jeden Dienstag. Und die einen haben dann noch

Susanne: 5 Jahre, dann können sie wieder nicht, aber das ist normal.

Susanne: Und dann eben Geburtstag, da haben wir einmal im Monat Geburtstagsfest.

Susanne: Dort spiele ich Handageln, dann kann ich Happy Birthday singen.

Susanne: Dann gibt es Turten und Kaffee und einfach ein bisschen, ja.

Quiana: Dann würdest du sagen, es erfüllt dich so, der Job. Und du stehst am Morgen

Quiana: gerne auf und gehst gerne bei Schaffen.

Susanne: Ja, ich stehe immer um halb fünf Uhr auf.

Quiana: Oh, so voller Vorfreude? Ja. Oder hast du einen langen Arbeitsplatz?

Susanne: Nein, eine halbe Stunde. Zug und Bus. Mit dem Töffel habe ich eine halbe Stunde.

Quiana: Gehst du mehr mit dem Töffel?

Susanne: Ja, im Sommer, wenn es schön ist. Im Auto stinkt es mir, da stehst du nur im Stau.

Quiana: Dann kommt es voll cool mit dem Töffel an und aktivierst gerade mal alle Leute.

Quiana: Gibt es noch irgendetwas, was du erzählen möchtest?

Susanne: Nein, ist gut.

Quiana: Gibt es etwas, wo du anderen Leuten, die vielleicht eher noch am Anfang für

Quiana: Ihrem Busseleben stünde, empfehlen möchtest oder mitgeben auf Ihrem Weg?

Susanne: Ich kann es nicht sagen. Ich arbeite einfach gerne. Ich arbeite alles gerne,

Susanne: aber Aktivierung, das ist einfach, wenn jemand gerne Leute hat und mit den Leuten

Susanne: etwas gerne macht, ist das einfach das Beste.

Quiana: Das ist doch super. Dann nehmen wir das doch so. Ja, Susanne,

Quiana: danke vielmals für das Gespräch. Sehr spannend war es.

Susanne: Danke, Kiana.

Quiana: Super, danke vielmals.

Susanne: Danke.

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